Was geschieht mit Ingmar Bergmans Insel-Anwesen?

7. August 2008, 14:08
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Museumsprojekt ist fraglich: Haus auf Fårö muss laut Testament an "Höchstbietenden" verkauft werden

Stockholm - Ingmar Bergmans Anwesen auf der Ostseeinsel Farö steht vor einer ungewissen Zukunft, warnte ein Jahr nach dem Tod des weltberühmten schwedischen Filmregisseurs die Zeitung "Dagens Nyheter": "Wenn Bergmans Haus auf Fårö jetzt auf dem internationalen Immobilienmarkt zum Verkauf angeboten wird, wäre das nicht weniger als eine Entweihung." Nicht nur die Initiatoren der jährlichen Bergman-Woche auf der idyllischen Insel südlich von Gotland wollen erreichen, dass Bergmans Haus, sein unter Filmkennern in aller Welt berühmtes Privatkino und ein als Archiv genutztes altes Schulgebäude für die Allgemeinheit und Künstler zugänglich bleiben.

Bergman hatte sich 1961 bei den Dreharbeiten zu "Wie in einem Spiegel" in Fårö verliebt und die Insel mit gerade mal 600 Bewohnern als zuletzt einsamer Dauerbewohner berühmt gemacht. Jeden Tag sah sich der Regisseur hier in seinem eigenen Kinosaal mit 17 Sitzen, ein paar Kilometer vom neu gebauten Privatanwesen "Hamars" entfernt, Filme an. In seinem Haus starb der Regisseur auch am 31. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren. Und sorgte, wie immer eigensinnig, mit seinem Testament für den größten Teil der jetzt entstandenen Verwirrung um die Zukunft.

Bergman bestimmte, dass alle seine Besitzungen auf Fårö "an den Höchstbietenden" zu verkaufen seien. Als Sprecher der Erbengemeinschaft von acht lebenden Bergman-Kindern sowie Nachkommen des nicht mehr lebenden neunten sagte der Sohn Daniel Bergman (45) in diesem Sommer, man werde sich natürlich an die Verfügung im Testament halten. Das höchste Gebot müsse aber nicht in jedem Fall auch das Beste sein.

"Merkwürdiges mattes Interesse" der Regierung

Das verstehen Filmfreunde in Stockholm als Wink mit dem Zaunpfahl an private Stiftungen und staatliche Kulturpolitiker, für die Bewahrung des Bergman-Erbes aktiv zu werden. Jannike Åhlund, Initiatorin der Bergman-Wochen, beklagt ein "merkwürdiges mattes Interesse" der Stockholmer Regierung an Fårö. Kulturministerin Lena Adelsohn Liljeroth hat einen Kauf mit Staatsgeldern mehrfach kategorisch ausgeschlossen.

Damit das Anwesen als Sommer-Villa betuchter Privatkäufer nicht für immer für die Öffentlichkeit verloren geht, will Åhlund auf andere Weise Gelder beschaffen. Von der öffentlichen Hand erwartet sie zumindest Zusagen für die Kostenübernahme beim laufenden Betrieb des erhofften Bergman-Zentrums: "Es muss beim Weltnamen Bergman wohl eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Staat sich hier engagiert."

Noch aber gibt es weder Zusagen hierfür noch ausreichend Geld aus anderen Quellen. Daniel Bergman nannte Ende 2009 als spätesten Zeitpunkt für den im Testament vorgeschriebenen Verkauf. Wie groß das Interesse an der Bergman-Insel in der Ostsee ist, weiß der auch Lars-Olf Malmqvist, Küster der Fårö-Kirche: "Seit der Beerdigung Bergmans hier ist bei uns immer voll gewesen", berichtete er im Rundfunk. Tausende Besucher hätten in der Kirche Kerzen angezündet, um den Schöpfer von "Die Jungfrauenquelle", "Das Schweigen", "Szenen einer Ehe" und anderen Filmklassikern zu ehren. (APA/dpa)

 

 

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    Ingmar Bergman, Sven Nykvist, Erland Josephsson und Liv Ullman 1972 auf Fårö

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