Staaten der Ex-Sowjetunion stehen vor Aids-Epidemie

7. August 2008, 13:31
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Russland und die Ukraine besonders betroffen

Mexiko-Stadt - Einige Staaten der ehemaligen Sowjetunion stehen nach Einschätzung von Experten vor einer "wahren Aids-Epidemie". Michel Kazatchkine, Exekutivdirektor des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, zeigte sich auf der Welt-Aids-Konferenz in Mexiko-Stadt "äußerst besorgt" über das Ausmaß der Immunschwächekrankheit in der Region.

Zahl der Erkrankungen steigt

Experten fürchteten, dass die Krankheit in weite Teile der Bevölkerung vordringe. Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Zahl der Infizierten in Ost- und Mitteleuropa nach jüngsten Angaben des UN-Aidsprogramms (UNAIDS) um 110.000 auf rund 1,5 Millionen. Etwa 58.000 starben an Aids.

Kein Interesse für Prävention

Neun von zehn Infizierten in diesen Staaten leben demnach in Russland oder in der Ukraine. In den meisten Fällen handelt es sich um Drogenabhängige oder Prostituierte. Programme zur Prävention, etwa für saubere Spritzen und Nadeln, liefen nur sehr schleppend an, berichteten Fachleute auf der Konferenz. Stigmatisierung und Diskriminierung von Homosexuellen trügen ein Übriges zur Ausbreitung der Krankheit bei. Laut UNAIDS gibt es in Osteuropa und in Zentralasien für weniger als einen von vier schwer Erkrankten die dringend erforderliche Therapie. Neben Geld fehle es auch an politischem Interesse, das Problem anzugehen.

"Ein Teil der von uns geleisteten Arbeit steht im Widerspruch zu den Gesetzen und Gewohnheiten in unserem Land", sagte Farida Tischkowa vom Wissenschafts- und Forschungsinstitut für präventive Medizin in Tadschikistan. Anna Koschikowa, Mitarbeiterin eines ukrainischen Projekts zur Bekämpfung von Aids, berichtete von den Schwierigkeiten, mit denen HIV-Infizierte in der Ukraine insbesondere auf dem Land konfrontiert seien. Dazu gehörten physische Gewalt, Schulverbot für die Kinder der Betroffenen bis hin zur Vertreibung aus ihren Dörfern. (APA/AFP)

 

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