Mitten in der Jausenstation

7. August 2008, 12:36
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Rapid hat alles probiert, ist aber trotz­dem an Famagusta ge­scheitert. Wenigstens hat sich ÖFB-Teamchef Brückner ganz gut unterhalten

Wien - "Recht haben Sie, ich kann es auch nicht ändern", sagte Rudolf Edlinger, als er darauf angesprochen wurde, dass der österreichische Meister immerhin gegen den zyprischen ausgeschieden ist. Natürlich wusste er das auch ohne diesen dezenten Hinweis, ein aktiver Rapid-Präsident und ehemaliger Finanzminister ist durchaus in der Lage, ein 0:3 mit einem 3:1 zu addieren. Als Blamage wollte Edlinger das Scheitern trotzdem nicht bezeichnen. "Natürlich ist Anorthosis Famagusta keine Mannschaft von Weltformat. Aber es gibt keine Jausengegner mehr."

Als der neue Teamchef Karel Brückner das Hanappi-Stadion kurz vor Abpfiff verließ, um dem Stau zu entkommen und schneller daheim in Olmütz zu sein, gab er kurz seine Eindrücke preis. Brückner sagte nicht um "Gottes Willen", nein, er fühlte sich an diesem Mittwochabend passabel unterhalten. "Rapid hat es nach der Pause geschafft, den Gegner unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen. Es kam viel von der Seiten, die Stärken von Maierhofer wurden genützt." Stefan Maierhofers Stärke erstreckt sich über 2,02 Meter, Brückner wird ihn in seinen ersten Kader einberufen. Den gibt er am Dienstag bekannt. Österreich kickt am 20. August in Nizza gegen Weltmeister Italien. Auch das ist kein Jausengegner.

Der Teamchef stellte fest, und damit war er sich mit dem Rest von Hütteldorf einig, dass die Entscheidung nach 13 Minuten gefallen ist. Tormann Georg Koch hat einen harmlosen, für ein Qualifikationsspiel zur Champions League nahezu unwürdigen Kopfball passieren lassen. "Dadurch wurde es leider zu schwierig." Was Brückner eher begeistert hat, war die Stimmung auf den Rängen. "So eine Atmosphäre habe ich selten erlebt."

Es mutet grotesk an, dass Trainer Peter Pacult die Moral seiner Mannschaft hervorgehoben hat. "Kompliment, alles versucht. So falsch können wir nicht trainiert haben. Es hat leider nicht gereicht." Vermutlich habe man auswärts den Aufstieg vergeigt, aber das sei egal. "Es gibt schöne Tage und nicht so schöne, dieser war ein nicht so schöner Tag." Pacult wies darauf hin, dass die Glasgow Rangers an der litauischen Mannschaft FBK Kaunas gescheitert seien. "Die Welt ist viel kleiner geworden, auch auf Zypern spielt man nicht erst seit gestern Fußball. Die investieren, wir specken ab."


Kein Hellseher

Rapid steckt also mittendrin in der Jausenstation, in der kleinen Welt, die halt ein bisserl größer hätte sein sollen. Dass Pacult den schwachen Andreas Dober nach einer halben Stunde durch Christian Thonhofer ersetzt hat, war richtig und dann doch ganz falsch: Thonhofer war nämlich noch indisponierter. Pacult: "Das konnte ich nicht wissen, sonst wäre ich Hellseher." Ob Koch weiter das Vertrauen genießt, wird intern geklärt. Um nicht in völlige Depression zu verfallen, muss die Leistung des erst 17-jährigen Christopher Drazan erwähnt werden. Er legte Maierhofer zwei Tore auf, sorgte auf der linken Seite für Wirbel. Der Verein hat ihm Sprechverbot erteilt, über die Sinnhaftigkeit dieser pädagogischen Maßnahme streiten Universitätprofessoren in ihrer Freizeit. Bei Rapid nennen sie den Burschen Fritz, so heißt der Vater, der einst für die Austria tätig war. Macht der Fritz so weiter, wird der Papa bald Christopher heißen.

Edlinger sagte, dass das Scheiden aus Europa kein großes Loch im Budget hinterlasse. "Weil wir das Gebot des ordentlichen Kaufmanns einhalten. Das Leben geht weiter." Am Samstag in Altach. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 8. August 2008)

 

 

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    Da legst dich nieder, Rapid schafft keine einzige internationale Runde.

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