Ex-Präsidentin Plavsic will gegen Karadzic aussagen

7. August 2008, 11:18
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Bosnisch-serbische Ex-Präsidentin wurde 2003 zu elfjähriger Haftstrafe verurteilt

Banja Luka/Belgrad/Den Haag - Die ehemalige bosnisch-serbische Präsidentin Biljana Plavsic (78) soll nun bereit sein, im Gerichtsverfahren gegen ihren Amtsvorgänger Radovan Karadzic vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien (ICTY) auszusagen, sollte sie vorgeladen werden. Die in Banja Luka erscheinende Tageszeitung "Glas Srpske" berichtete dies unter Berufung auf Svetozar Mihajlovic, den Leiter eines Ausschusses für Begnadigung von Plavsic.

Die wegen Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg (1992-1995) im Jahr 2003 vom Haager Gericht selbst zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilte Plavsic bemüht sich erneut um ihre Begnadigung. Sie hatte im Juni einen entsprechenden Antrag an die schwedischen Behörden gerichtet. Plavsic befindet sich seit dem Sommer 2003 nämlich in einem schwedischen Frauengefängnis. Ihr erstes Gnadengesuch war im Vorjahr von den schwedischen Behörden allerdings zurückgewiesen worden.

Karadzic: "Ich fechte die Rechtmäßigkeit des Verfahrens an"

Karadzic selbst hat sich unterdessen erneut gegen das ihm bevorstehende Verfahren vor dem UNO-Gericht gewehrt. "Ich fechte die Rechtmäßigkeit des Verfahrens in seiner Gesamtheit an", heißt es in einem Dokument, das der Strafgerichtshof am Mittwoch veröffentlicht hatte. Karadzic forderte darin, seine Darstellung zu überprüfen, dass die USA ihm vor mehr als zehn Jahren Schutz vor Strafverfolgung zugesagt hätten. Demnach hat der US-Unterhändler im Bosnien-Krieg, Richard Holbrooke, ihm 1996 versprochen, dass er nicht vor das Tribunal gestellt werde, wenn er sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückziehe. Karadzic beantragte jetzt, Holbrooke und die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright als Zeugen vorzuladen. Holbrooke hat einen "Deal" mit Karadzic stets bestritten.

Mittels Stimme identifiziert

Die Belgrader Tageszeitung "Vecernje novosti" berichtete heute Donnerstag, dass die serbischen und montenegrinischen Nachrichtendienste von der bosnisch-serbischen Polizei im Vorjahr erste Informationen über die Tarnung Karadzic' hinter Vollbart und langem Haar erhalten hätten. Sie soll von drei einstigen Wächtern des Haager Angeklagten gestammt haben. Dem Blatt zufolge wurde diese Information allerdings nicht für die Festnahme des Haager Angeklagten im Juli ausschlaggebend. Karadzic wurde demnach bei einem mitgeschnittenen Telefongespräch an seiner Stimme identifiziert. (APA)

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