Lebensmittel in Österreich spürbar teurer als in Deutschland

7. August 2008, 15:49
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Die AK ruft nach Betriebs­prüfungen. Kritik an der Preis-Erhebung hagelt es seitens der ÖVP: Ein deutsches Ei sei nun einmal nicht mit einem österreichischen vergleichbar

Wien - In Österreich sind Lebensmittel noch immer spürbar teurer als in Deutschland. Heimische Konsumenten müssen für einen kleinen Einkaufskorb im Schnitt fast 19 Prozent tiefer in die Tasche greifen als in Deutschland, hat eine neue Erhebung der Arbeiterkammer (AK) ergeben. Vollmilch ist in Österreich um ein Drittel teurer, Teebutter um 39 Prozent, Bier um die Hälfte teurer. Verglichen wurden 14 Produkte bei Diskontern und Supermärkten in Wien und Passau.

In Wien würden Verbraucher für einen Einkaufskorb mit 14 preiswertesten Lebensmitteln um knapp 19 Prozent mehr als in Passau zahlen. Vergleicht man die Nettopreise, weil in Deutschland die Umsatzsteuer um ein (für andere Waren) und drei Prozent (Lebensmittel) niedriger ist, gilt noch immer: Österreich ist um 16 Prozent teurer als Passau. So kostet ein kleiner Einkaufskorb in Wien im Schnitt 21,87 Euro, in Passau 18,42 Euro, also um 3,45 Euro weniger.

In Österreich wurde der kleine Einkaufskorb von Juni auf Juli geringfügig billiger, wie die AK am Donnerstag erklärte. Günstiger wurden etwa Kartoffeln (-19 Prozent oder zwölf Cent) oder Gouda Käse (-3 Prozent oder 20 Cent). Teurer wurden hingegen Teebutter (plus knapp 4 Prozent oder 18 Cent) und Sonnenblumenöl (+3,3 Prozent oder fünf Cent).

Preise festgefahren

Dabei seien viele Preise in Österreich auf einem hohen Preisniveau "festgefahren": So sind die preiswertesten Teigwaren/Penne jetzt um 54 Prozent oder 39 Cent teurer als noch im Vorjahr, Sonnenblumenöl um 77 Prozent oder 74 Cent, Mehl kostet um 20 Prozent oder neun Cent mehr, Mischbrotwecken um acht Prozent oder acht Cent.

Es sei "nicht einzusehen, dass die heimischen Konsumenten seit Monaten mehr zahlen müssen als die deutschen", betont AK-Präsident Herbert Tumpel. Es gebe "bei den Preisen seit Monaten einen hausgemachten Anteil". Der Österreich-Aufschlag müsse weg. "Preisminister" Martin Bartenstein (VP) habe es als zuständiger Minister seit dem Preisantrag der AK von Ende Juni in der Hand. Er sei gesetzlich verpflichtet, den Österreich-Aufschlag zu untersuchen.

Die geeignetste und im Gesetz extra angeführte Form der Ermittlung seien Betriebsprüfungen mit Einschau in die Kostenstruktur und die Kalkulationen etc. Es müsse dringend untersucht werden, "wer wo mitschneidet", damit der Preistreiberei Einhalt geboten werden könne. Aber das Preisverfahren werde seit Juni nur verschleppt. "Will Minister Bartenstein nicht wissen, warum die Österreicher für die Grundnahrungsmittel mehr zahlen als die Deutschen", fragt Tumpel.

Ei ist nicht gleich Ei

Kritik an der Preis-Erhebung der Arbeiterkammer hagelt es seitens der ÖAAB und der ÖVP. "Der Lebensmittelhandel in Österreich und Deutschland ist nicht vergleichbar", kontert Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Das AK-Monitoring vergleiche bereits zum zweiten Mal preiswerte Produkte des täglichen Bedarfs von deutschen und österreichischen Supermärkten und Diskontern. "Ein Billig-Ei am deutschen Markt ist nicht mit einem Ei im Regal eines österreichischen Supermarkts vergleichbar. In Deutschland ist Käfighaltung erlaubt, in Österreich nicht - natürlich schlägt sich das in den Kosten nieder", so Lemler. Der österreichische Lebensmitteleinzelhandel sei ein "Qualitätsmarkt", der deutsche ein "reiner Preismarkt". Es könne doch nicht die unterschwellige Forderung der AK sein, aus Kostengründen auf die österreichischen Prüfvorschriften bei Lebensmitteln zu verzichten.

Der ÖAAB Wien wirft Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel "Parteipolemik" vor. Statt immer wieder "Falschaussagen zu trommeln", sollte er lieber einen Gebührenstopp in Wien fordern, meint der Landesobmann des Wiener ÖAAB, Matthias Tschirf. Tumpel solle "zu den wahren Aufgaben der AK zurückfinden" und sich nicht weiter als "Wadlbeißer von Minister Bartenstein" betätigen, so Tschirf.

Für ÖVP-Wirtschaftssprecher Reinhold Mitterlehner ist die AK "der verlängerte Arm der SPÖ". Die Inflation sei nicht hausgemacht, sondern zu einem großen Teil ein Problem des internationalen Marktes, das auch Österreich betreffe, betont Mitterlehner. Er fordert eine Bundeswettbewerbsbehörde mit mehr Biss, die auch Entscheidungen treffen kann. Denn die Arbeiterkammer vergleiche Äpfel mit Birnen.

"Feinkostladen Österreich"

FPÖ-Vizeparteiobmann Norbert Hofer kritisiert ÖVP und SPÖ und sieht den "Feinkostladen" Österreich durch importierte Nahrungsmittel bedroht: Die Nachfrage nach Waren aus dem Billigsegment steige zu Lasten höherwertiger und deshalb teurerer, zumeist heimischer Erzeugnisse. "Den Österreichern wird ihr ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein in der dank Rot-Schwarz ausgebrochenen sozialen Eiszeit damit buchstäblich wegerzogen." Die FPÖ fordere deshalb die detaillierte Kennzeichnung importierter Lebensmittel. (APA)

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    Durschnittlich 19 Prozent mehr zahlen österreichische Konsumenten für Lebensmittel als deutsche. Die Arbeiterkammer fordert den Wegfall des "Österreich-Aufschlags".

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