Malaysia: Oppositionsführer wegen Homosexualität angeklagt

7. August 2008, 11:04
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Homosexuelle Kontakte können in Malaysia mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden - Anwar wurde Ende Juni wegen homosexueller Kontakte angezeigt

Kuala Lumpur - Am Donnerstag ist der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim wegen angeblicher homosexueller Handlungen von einem Richter in Kuala Lumpur angeklagt worden. Der frühere Vize-Regierungschef, der von mehreren Rechtsanwälten und Familienmitgliedern begleitet wurde, plädierte auf nicht schuldig. Er sprach von einer "böswilligen Beschuldigung". Anwar wurde gegen eine Kaution von umgerecht knapp 4.000 Euro auf freiem Fuß gelassen. Mit bis zu 20 Jahren können in dem isamlischen Land homosexuelle Kontakte bestraft werden.

Um das Gerichtsgebäude hatten sich trotz einer außerordentlich starken Polizeipräsenz mehrere hundert AnhängerInnen versammelt. Sie jubelten dem Politiker bei seiner Ankunft zu. Das Gericht will am 10. September über den Prozesstermin entscheiden. Der Oppositionsführer war im Juli nach den Vorwürfen gegen ihn verhaftet und schon damals gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Comeback verhindert

Ein Mitarbeiter Anwars hatte den Politiker Ende Juni wegen verbotener homosexueller Kontakte angezeigt. Der sechsfache Vater weist den Vorwurf "als "erfunden" zurück. Damit solle sein politisches Comeback verhindert werden. Die Abgabe eines Bluttests für eine DNA-Probe habe er aus Angst vor einer Manipulation verweigert.

Unter ähnlichen Anschuldigungen und wegen Korruptionsvorwürfen war Anwar bereits 1998 verhaftet worden, als er stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister war. Er wurde aus den Ämtern entlassen und zu einer Haftstrafe verurteilt, von der er bis 2004 sechs Jahre absaß. Das Urteil gegen ihn war damals wieder aufgehoben worden. Menschenrechtsorganisationen hielten den Prozess für politisch motiviert.

Anwar hatte die Opposition bei der Parlamentswahl Anfang März zu einem großen Erfolg geführt und der regierenden Nationalen Front die schwersten Verluste ihrer Geschichte beschert. Seither haben die innenpolitischen Spannungen zugenommen. Die von der Nationalen Front geführte Koalition regiert das Land seit 51 Jahren mit Zwei-Drittel-Mehrheit. (APA/dpa)

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    Anwar Ibrahim muss wegen angeblicher homosexueller Kontakte vor Gericht.

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