Modefarbe

7. August 2008, 17:00
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Modefarben erleichtern das Leben - Oder: Blassrosa war einfach diskriminierend

+++Pro
Von András Szigetvari

Es stimmt schon: Modefarben sind ein Diktat von außen. Die Industrie, die beste Freundin, der Kollege und die Nachbarin haben sich verschworen und reden einem ein, was gerade trendig ist. Oder noch schlimmer: Sie sagen einem, dass die eigene Lieblingsfarbe schon seit den 80ern out wäre. Das soll verwerflich sein? Ganz sicher sogar. Aber einmal ganz ehrlich: Wer will nicht einmal am Abend mit dem Wissen fortgehen, ganz und gar in zu sein? Und das nur wegen einer Farbe, ganz unabhängig vom peinlichen Haarschnitt und den weißen Sportschuhen.

Modefarben erleichtern aber auch - wie alle Vorurteile - das Leben. Wenn gerade Rot angesagt ist, braucht man sich über die richtige Farbe fürs Shirt, Auto und Schlafzimmer keine Gedanken mehr zu machen. Aber das wirklich Gute an Modefarben ist schließlich, dass es jedes Jahr eine neue gibt. Irgendwann also wird der Tag kommen, an dem Modefarbe und Lieblingsfarbe kein Widerspruch mehr sind. Na und dann lässt sich getrost behaupten: Man hat es ja schon immer gewusst. 

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Contra- - -
Von Julia Raabe

Annette hatte rote Haare und eine blasse Haut, und Blassrosa war die Farbe des Sommers. Die blonde Nikola, eine der Schönheiten unserer Klassenstufe, sah darin umwerfend aus, auch Stephanie mit ihren schwarzen Haaren und der dunklen Haut. Nur Annette nicht. Das konnte man schon sehen, wenn sie nur neben einer Klassenkameradin mit blassrosa Kleid saß. Zu blöd in der Phase der Spätpubertät. Lange trug Annette weiter Weiß (stand ihr auch nicht sehr gut) und Grün (stand ihr sehr gut). Bis sie eines Tages mit einem blassrosa T-Shirt ankam. Sie tat mir leid. Blassrosa war einfach diskriminierend.

Heute sind Modefarben vor allem ärgerlich. Zum Beispiel, wenn man ein schlichtes, weißes Hemd sucht und erst einmal nur auf kreischgelbe Blusen mit Rüschenrand stößt, weil die Modeindustrie Kreischgelb predigt und es Leute gibt, die immer noch nicht wissen, welche Farben ihnen stehen. Kein Wunder, dass es auch immer weniger Komplimente gibt, über die man sich wirklich freuen kann. Nikola begrüßte Annette mit den Worten: "Hey, schönes T-Shirt!"(Der Standard/rondo/08/08/2008)

 

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    Wenn gerade Rot angesagt ist, braucht man sich über die richtige Farbe fürs Shirt, Auto und Schlafzimmer keine Gedanken mehr zu machen.

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