Der coolste Park der Welt

7. August 2008, 17:00
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    foto: klaus taschwer

    Die Cloud-Gate-Skulptur ist derzeit wohl das beliebteste Fotomotiv in Chicago. Mehr Bilder vom coolsten Park der Welt gibt's in dieser Ansichtssache.

Der Millennium Park ist der beste Grund, warum Wien Chicago werden sollte. Rundgang durch architektonische Weltwunder auf einer Dachterrasse

Bei den Kindern ist die Crown Fountain am beliebtesten. Zumindest im Sommer. Wie magisch werden die Kleinen von den beiden gegenüberliegenden 15 Meter hohen Türmen angezogen, die ganz aus transparenten Glasziegeln bestehen. Die erste Besonderheit: Die Ziegel sind außerdem LCD-Bildschirme, die in regelmäßigen Abständen die riesigen Gesichter von rund 1000 Personen aus Chicago zeigen.

Der zweite Gag: Regelmäßig ergießen sich von oben Wassermassen über die Gesichter und sorgen an heißen Sommertagen für eine willkommene Abkühlung. Das Beste aber ist, dass alle fünf Minuten das gerade projizierte Gesicht auf einem der Türme seine Lippen so schürzt, als ob es Wasser aus seinem Mund spritzen wollte. Und tatsächlich: Wie bei einem traditionellen Wasserspeier schießt plötzlich eine Wasserfontäne in hohem Bogen aus dem Mund heraus.

Dann kennen die Kleinen kein Halten mehr, stürzen sich unter den Wasserstrahl und nehmen unter lautem Freudengeschrei eine ordentliche Dusche. Der Strahl versiegt, das Gesicht verblasst und verschwindet, ehe sich am anderen Turm das gleiche Ritual mit einem anderen Gesicht vollzieht. Und so geht es hin und her und her und hin, stundenlang. Der Crown-Brunnen, den der katalanische Künstler Jaume Plensa erdacht hat, ist einer der Höhepunkte des Millennium Park im Herzen von Chicago. Aber eben nur einer von vielen. Denn was inmitten eindrucksvoller Wolkenkratzer und in der Nähe des Michigansees errichtet wurde, ist wahrscheinlich eine der spektakulärsten Parkanlagen.

Unbestritten jedenfalls ist ein anderer Superlativ: Der Park, der frei und gratis begehbar ist, bildet mit seiner ziemlich genau zehn Hektar großen Fläche den größten Dachterrassengarten überhaupt. Er wurde nämlich auf einer Autoparkanlage und einem Rangierbahnhof errichtet. Und er ist wohl auch das teuerste Bauwerk seiner Art: Letztendlich beliefen sich die Errichtungskosten auf rund 500 Millionen US-Dollar. Die Mittel wurden indes vor allem von privaten Financiers aufgebracht - wie zum Beispiel von der Crown-Familie, die zehn Millionen Dollar für "ihren" Brunnen beisteuerte.

Ed Uhlir weiß darüber am besten Bescheid. Der Architekt, der an diesem Nachmittag selbst durch den Park der Wunder führt, war und ist der verantwortliche Koordinator des Projekts, das auch bei der Errichtung so ziemlich alle Pläne sprengte: Eigentlich hätte der Millennium Park nach zweijähriger Bauzeit im Jahr 2000 eröffnet werden sollten. Es sollte bis zum Sommer 2004 dauern.

Für Verzögerungen und die Kostenexplosion sorgte so manches architektonische Wunder des Parks. Das vielleicht markanteste: das "Cloud Gate", das es bereits nach kürzester Zeit zum wohl meistfotografierten Objekt der Stadt gebracht hat. Ursprünglich war der Konzept-Künstler Jeff Koons beauftragt worden, sich eine Attraktion auszudenken. "Doch sein 40 Meter hoher Turm mit Rutschen nach unten war definitiv unrealisierbar", erinnert sich Uhlir.

Der Ersatz war freilich noch besser: eine riesige, bohnenförmige Skulptur aus poliertem Stahl, die der indisch-britische Künstler Anish Kapoor entworfen hat und die einen Tropfen Quecksilber kurz nach der Landung darstellen soll. Das Ding wurde 110 Tonnen schwer und kostete letztlich statt der geplanten sechs Millionen Dollar 23 Millionen. "Aber es ist sein Geld um ein Vielfaches wert", sagt Uhlir.

Tatsächlich zieht es die Parkbesucher wie ein Magnet an. Die sehen sich selbst, wenn sie auf die Skulptur zugehen - dazu die Hochhäuser der Umgebung und die Wolken, an denen sie kratzen. Ein besseres Fotomotiv ist kaum denkbar. Und weil die Oberfläche der "Bean", wie das Cloud Gate im Volksmund genannt wird, allzu sehr zum Betasten einlädt, so Uhlir, muss sie täglich zweimal von Reinigungskräften wieder blank poliert werden.

Ganz wesentlich zur Explosion der Baukosten und der Bauzeit des Millennium Park hat Frank Gehry beigetragen, den Uhlir unbedingt mit dabeihaben wollte. Vom US-Stararchitekten stammen zwei weitere Wunder auf der Dachterrasse: der Jay Pritzker Pavillon, der nicht nur durch sein futurisches Design besticht, sondern vor allem durch seine einmalige Akustik.

Über den Rasen des riesigen Freiluftauditoriums, in dem rund 100 Konzerte pro Jahr stattfinden, spannen sich riesige Stahlrippen, in die Lautsprecher eingebaut sind, die auch hunderte Meter von der Bühne entfernt für tollen Klang sorgen. Vom einmaligen Blick durch die Rippen auf die Wolkenkratzer ringsum einmal ganz zu schweigen.

Und weil Frank Gehry auch einmal eine Brücke bauen wollte, ließ man ihn nebenan die elegante BP-Fußgängerbrücke entwerfen, die sich wie eine Schlange über die nahe gelegene Schnellstraße wölbt und zugleich als akustische Barriere wirkt.

Apropos: Wenn man es gerne leiser und kontemplativer haben will, begibt man sich am besten in den Lourie Garden, der raffiniert designten Gartenanlage des Millennium Park. Die ist ausschließlich mit Pflanzen bestückt, die rund um die "windy city" heimisch sind und die kunstvoll zu einer Geschichte der Region arrangiert wurden. Einmal abgesehen davon, dass sie einen je nach Jahreszeit unterschiedlich gefärbten Blumenteppich bilden.

Doch nicht nur der Lourie Garden verändert sich und lebt, auch der Millennium Park wird ständig erweitert: so etwa durch eine unterirdische Radverleihstation, die kürzlich eröffnet wurde. Stararchitekt Renzo Piano ist gerade dabei, eine waghalsige Brücke vom Lourie Garden hinüber ins berühmte Art Institute of Chicago zu bauen. Und für 2009 plant Zaha Hadid einen Pavillon. Gerade so, als ob es nicht schon genug zu bestaunen gäbe in diesem coolsten Park der Welt. (Klaus Taschwer/DER STANDARD/Rondo/8.8.2008)

Eindrücke vom coolsten Park der Welt zeigt eine Ansichtssache.

Anreise:
Die AUA fliegt seit dem Vorjahr viermal wöchentlich direkt nach Chicago.

Infos:
Millennium Park

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Posting 1 bis 25 von 32
1 2
teukros
00
23.4.2010, 11:08
Hab ein Jahr lang in Chi-Town studiert.

Gott, wie ich diese Stadt vermisse.

Zensurrat Millimeternich
70
was ist so toll an betonwolkenkratzern, wo man nicht mal den Himmel sieht?

Onkel Doktor
 
00
19.1.2009, 12:37
die Chicagoer Wolkenkratzer sind bekanntlich

NICHT aus Beton.

Dante Alighieri
05

Chicago hat seeehr viel zu bieten. Schon alleine die Touristenhotspots: Chicago River, Magnificent Mile, Hancock Center, Sears Tower, Millennium Park, die "L", das Art Institute, das Symphony Orchestra, das Field Museum, usw., usf... Chicago ist genial!

Ada Lovelace
00
11.8.2008, 11:39
uuund...

der SEE ... ein Traum !

gucky
04
Fahren Sie hin, schauen Sie sich es an!

Chicago ist eine Stadt mir unglaublichen Flair; und die Wolkenkratzer"schluchten" fand ich sehr toll.
Wenn Sie den Himmel sehen wollen, kann ich den Park oder das Seeufer empfehlen...
Ist echt eine Reise wert

c70
01
Zustimmung

Chicago hat ein besonderes, architektonisches Flair.
Nach NYC subjektiv einer der schönsten Citys.
Man bekommt bei den Wohlkenkratzern auch einen besonderen Blick und erkennt auch daran, ich welcher Epoche diese entstanden.

Krawuzi Kabuzi
00

Naja, Schoenheit liegt im Auge des Betrachters. Chicago ist recht nett, aber Santa Fe, NM z.B. hat fuer mich mehr Flair.

Krawuzi

joergipoergi
00

Naja, der Tropfen ist ja meiner Meinung nach wirklich gelungen, vor allem wenn man darunter steht, aber der Rest ist an Hässlichkeit kaum zu überbieten. Die Konzerthalle kann überhaupt nichts und die paar LCD Brunnen sind zu verdreckt um wirklich etwas zu erkennen. Das ganz kostetet übrigens eine Milliarde Dollar! Aber Chicago ist eine tolle Stadt, undbedingt besuchen...

Rudolph Van Richten
111

Ich möchte mit dieser hypokritischen, arroganten und menschenrechtsverachtenden Kultur trotzdem nichts zu tun haben, auch wenn dort wirklich der schönste Park der Welt stünde.

Aber Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters, wie dieser Artikel wieder eindrucksvoll demonstriert.

Onkel Doktor
 
01
19.1.2009, 12:38
Dei SCHIACHES Aug möcht i net haben.

freedom of speech ?
01
Was haben sie gegen ..

.. Österreicher ?

joergipoergi
01

Ignorant!

Radiolar
00
"Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters"

Wo denn sonst ? Jedenfalls nicht in Ihrem Grundsatzpapier.

hanni baal
00
Tolle Sache, US at its best

s. Youtube z.B.
http://tinyurl.com/6fd4ww
http://tinyurl.com/6k359r

Elmar Überhauser
01
Sehr schön anzusehen!

Aber nach dem Geschmack der Wiener Architektenclique vermutlich wohl der reine Kitsch. Hierzulande setzt man auf weniger Augenfälliges, auf mathematisch klare Formen, die das Gemüt frierend machen.

Ava Tar
22
Wahnsinn. Genial. Da spritzt Wasser !

apcs
02
oh joy...

Und genau deswegen ziehe ich im Juli 09 dorthin. :) Ein unglaublich faszinierender Schmelztiegel an Leuten, Kulturen, Nightlife, Architektur, Faulenzen am Lake Michigan und am Chicago River mitten in der Stadt und geschäftigem Treiben von Downtown bis Skokie und Niles... Tja, lang ist's nicht mehr bis dahin.
Übrigens, wer größere Fotos vom Cloud Gate sehen möchte, soll mich kurz anmailen. Die meisten sind b/w-Langzeitbelichtungen mitten in der Nacht, einige Tagfotos mit 15mm-Linse allerdings auch dabei...

Hach... meine Stadt. :)

apcs
00

Nein, nicht wegen der paar LCDs. Sondern weil mich die Stadt (und auch der Rest der USA) in den letzten zwei Jahren bei jedem mehrwöchigen Besuch so tief beeindruckt hat, das mir quasi keine andere Wahl bleibt. :) Und nebenher noch viele meiner Vorurteile widerlegt hat, für all die Zweifler.

Und, Herr Richten, Ich glaube, Petzi Petz hat richtig gelesen, zumindest kann ich keinen Widerspruch erkennen. Ich wandere aus, und es ist nächsten Juli soweit... Leider erst...

Philippa
00

Waaah, Neid! Nehmen's mich mit!

Habe fünf Jahre in Chicago gelebt, und vermisse es immer noch!

Rudolph Van Richten
41

Sie wechseln wegen eines Parks mit ein paar kitschigen LCD-Installationen den Kontinent?

Mein Beileid!

Petzi Petz
00

Sie sind so naiv zu glauben, dass apcs wegen einem Park nach Chicago auswandert? Da kann man gar nicht so viel Beileid aussprechen wie Sie nötig hätten....

Rudolph Van Richten
60

Empfehle Ihnen, evt. mal das Lesen zu erlernen:

"Und genau deswegen ziehe ich im Juli 09 dorthin."

alexanderletten
 
00
nicht so pessimistisch bitte,

"Taouun-Taouun" im 3. wird doch voller Reize werden, farbiger Bodenbelag , JVA Architektur, Schatten werden die "2 aufsehenerregenden Hochäuser" schon genug werfen. Falls nicht, in 25 Jahren sind die gepflanzten Bäumchen sicher groß genug dafür.

Einfach klasse, dieser Park.
Wie Teilnehmer "Oberschwabe" richtig anschreibt, schade das man im St. die Bilder nicht größer anschauen kann.

Francis Ona
 
13
Wenn Wien eine Weltstadt wäre ...

... dann hätte sowas in der Art wirklich Sinn! Aber bei uns wird eher jedes windschiefe Haus unter Denkmalschutz gestellt, Hauptsache es ist mind. 100 Jahre alt. bevor sich jemand über sowas traut!

Ein perfekter Platz wäre zw. Naturhistorischem- und Kunsthistorischem Museum in Wien. Weg mit der Maria Theresia Statue (die stellts auf die Donauinsel), Ringstraße unter die Erde verlegt und einen Großteil des MQs abgerissen (das meiste dort ist sowieso architektonischer Schrott) und schon wär Platz genug für einen "Millenium Park Vienna" ...!

P.S.: Ich weiß ... Wien ... - aber man wird ja noch träumen dürfen ... ;) Außerdem war dort ja mal was ähnliches geplant, das "Kaiser Forum" ... - aber daraus wurde dann nichts ...


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