Keine Zinsänderung in Eurozone

7. August 2008, 09:53
49 Postings

Die EZB in Frankfurt belässt heute wie erwartet den Leitzins unverändert bei 4,25 Prozent und warnt vor zunehmender Konjunkturschwäche

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Bekenntnis zum Kampf gegen die Inflation bekräftigt und vor zunehmender Konjunkturschwäche gewarnt. In der Euro-Zone gebe es weiter Risiken für die Preisstabilität, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt nach der Entscheidung des EZB-Rats, den Leitzins von 4,25 Prozent nicht zu ändern.

Trichet betonte zudem, dass Risiken eines wirtschaftlichen Abschwungs bereits einträten. "Die zuletzt verfügbaren Daten deuten auf ein schwächeres Wirtschaftswachstum zur Jahresmitte 2008 hin als nach dem außergewöhnlich starken Wachstum im ersten Quartal erwartet worden war."

Trichet verteidigte zudem die Entscheidung der EZB-Spitze von Anfang Juli, wegen der Rekordinflation den Zins von 4,0 auf 4,25 Prozent zu erhöhen. Die Risiken für die Preisstabilität seien mittelfristig aufwärts gerichtet. Deshalb sei es für die Zentralbank weiter von höchster Wichtigkeit, eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern. Trichet gab keinen konkreten Hinweis auf den künftigen Kurs der Geldpolitik: "Wir haben keine Tendenz. Wir sind nicht im Vorhinein festgelegt."

Gestiegene Rezessionsängste

Zuletzt hatten zahlreiche schlechte Konjunkturdaten Rezessionsängste in mehreren Euroländern geschürt. Trichet sagte, das schwächere Wachstum im Frühjahr sei nur in Teilen zu erwarten gewesen. Insgesamt sei die EZB von dieser Entwicklung aber nicht überrascht.

Die Jahresteuerung in den 15 Euro-Ländern hat sich vor allem wegen der Energiepreise auf 4,1 Prozent erhöht und liegt damit doppelt so hoch wie von der EZB angestrebt. Stabile Preise sehen die Währungshüter nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Anders als die Frankfurter Zentralbanker steckte die US-Notenbank Fed jüngst noch im Zinssenkungszyklus. Mit kräftigen Schritten schraubten die Amerikaner ihren Leitzins seit September von 5,25 auf 2,0 Prozent, um sich gegen die Finanzkrise und die Konjunkturschwäche der weltgrößten Volkswirtschaft zu stemmen.

Am Dienstag ließ die Fed ihren Zins aber zum zweiten Mal in Folge unverändert und nimmt bei anhaltender Wirtschaftsschwäche zunehmend die Inflation stärker in den Blick. Auch die britische Notenbank tastete ihren Leitzins am Donnerstag trotz Rekordinflation und Wachstumsrisiken den vierten Monat in Folge nicht an und ließ ihn bei 5 Prozent. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mit Spannung erwarten Volkswirte auf die Statements, die EZB-Präsident Jean-Claude Trichet traditionell nach dem Zinsentscheid gibt. Sie gelten als Indikatoren für die weitere Zinspolitik der EZB.

Share if you care.