Befreite Geisel will in Afghanistan bleiben

7. August 2008, 08:24
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Deutsch-Afghane Asisullah: Ich habe Vertrauen in unsere Sicherheitskräfte - Entführer sollen gehenkt werden

Deutsch-afghanische Geisel in Kabul wieder frei - Tagesmeldung

Afghanischer Geheimdienst befreite Mann - Drei

Kabul  - Der vor knapp zwei Wochen in Kabul von einer kriminellen Bande entführte Deutsch-Afghane ist wieder frei. Der afghanische Geheimdienst befreite den Mann nach eigenen Angaben am Donnerstag in der Früh bei einem Kommando-Einsatz und nahm drei mutmaßliche Entführer fest. Die Geiselnehmer sollen drei Millionen Dollar (1,94 Mrd. Euro) Lösegeld gefordert haben. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass der deutsch-afghanische Staatsangehörige in Freiheit sei. Derzeit befinde er sich in der Obhut der afghanischen Behörden, es gehe ihm den Umständen entsprechend gut.

"Wir haben gestern Informationen erhalten, dass der Entführte sich in einer Gegend außerhalb Kabuls aufhält", sagte der stellvertretende Geheimdienstchef Abdullah Laghmani am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Kabul. Daraufhin habe ein Geheimdienst-Kommando ihn gegen 04.00 Uhr früh Ortszeit befreit. Der Sprecher des afghanischen Geheimdienstes NDS, Sayed Ansari, sagte in Kabul, der Mann sei im Distrikt Bagram nördlich von Kabul befreit worden. Den Angaben zufolge wurde der Deutsch-Afghane, der unter dem Namen Asisullah vorgestellt wurde, vor 13 Tagen am Eingang eines Saal für Hochzeitsfeiern entführt, den er betreibt. Laghmani forderte die Justiz auf, die drei festgenommenen mutmaßlichen Entführer zu hängen, um ein abschreckendes Beispiel im Kampf gegen die Kriminalität zu setzen.

Asisullah sagte auf der Pressekonferenz in Kabul, seine Entführer hätten drei Millionen Dollar Lösegeld für seine Freilassung gefordert und damit gedroht, ihm eine Hand und ein Ohr abzuschneiden, wenn nicht gezahlt würde. Außerdem hätten die Entführer regelmäßig das Versteck gewechselt. "Die meiste Zeit waren meine Augen verbunden. Einmal musste ich mit gefesselten Händen und Füßen auch eine Mauer überqueren", sagte er weiter.

Asisullah war 2003 nach Afghanistan zurückgekehrt, um im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Er hat nicht vor, wieder nach Deutschland zu gehen. "Nach dem, was ich erlebt habe, habe ich umso mehr Vertrauen in unsere Sicherheitskräfte und werde ganz sicher in Afghanistan bleiben", sagte er.

In der Vergangenheit waren Deutsche wiederholt Opfer von Entführungen in Afghanistan geworden. Ende 2007 war der deutsche Tischler Harald K. in der westafghanischen Provinz Herat verschleppt worden. Der zum Islam übergetretene K. war bereits vor mehreren Jahren nach Afghanistan gekommen und hatte eine Afghanin geheiratet. Der Hintergrund der Entführung ist unklar. Seit Monaten gibt es von ihm kein Lebenszeichen.

Im August vergangenen Jahres war eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation ora international in Kabul aus einem Restaurant entführt worden. Die Kidnapper forderten ein Lösegeld von rund einer Million Dollar für die schwangere Frau. Nach anderthalbtägiger Geiselhaft wurde sie von der Polizei befreit. Im vergangenen Sommer wurden die deutschen Ingenieure Rudolf Blechschmidt und Rüdiger D. am Hindukusch entführt. Blechschmidt kam im Oktober nach fast drei Monaten Geiselhaft in Afghanistan frei, sein Kollege war kurz nach der Entführung im Juli 2007 erschossen worden.

Insgesamt sind rund 60 Afghanen mit deutschem Pass, die nach dem Sturz der Taliban zurück in ihr Geburtsland gingen, bei der deutschen Botschaft in Kabul registriert. Die deutsche Bundeswehr hat derzeit rund 3500 Soldaten im Rahmen der NATO-Schutztruppe ISAF in Afghanistan stationiert. (APA/dpa)

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