Fahndung nach Mladic intensiviert

7. August 2008, 07:55
1 Posting

"Blic": Verhaftung steht bevor - Verwandter: "Mladic wird sich nie stellen"

Belgrad - Nach der Festnahme des bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic hat Belgrad nun auch die Fahndung nach dessen früheren Militärchef Ratko Mladic intensiviert. Wie die Tageszeitung "Blic" am heutigen Donnerstag berichtete, wollen die Behörden den gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher noch bis Monatsende an das UNO-Tribunal in Den Haag überstellen.

Das Ermittlerteam wurde laut dem Blatt deshalb aufgefordert, den Sommerurlaub bis auf weiteres zu verschieben. Belgrad geht davon aus, dass die Sommerzeit geeignet sei, die "Haager Geschichte" zu beenden. Das Parlament tage nämlich nicht, weswegen die Möglichkeit für politische Machenschaften der Radikalen, aber auch für Straßenproteste und Krawalle geringer sei, berichtete das Blatt unter Berufung auf regierungsnahe Quellen. Auch die Öffentlichkeit, die nach der Festnahme von Karadzic einen Schock erlebt habe, sei nun für mögliche weitere Festnahmen bereit. Außer Mladic befindet sich noch der ehemalige Chef der kroatischen Serben Goran Hadzic auf der Flucht.

"Umbringen, bevor er verhaftet wird"

"Blic" sieht in den verstärkten Fahndungsbemühungen auch den Grund, warum der im Juli geplante Besuch des UNO-Chefanklägers Serge Brammertz auf Anfang September verschoben wurde. Brammertz soll die Europäische Union Mitte September über die Zusammenarbeit Belgrads mit dem Haager Gericht informieren. Es wird erwartet, dass eine positive Bewertung durch den UNO-Chefankläger Serbien ermöglicht, ein Übergangsabkommen umzusetzen, das gleichzeitig mit dem Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) im April mit der EU unterzeichnet wurde.

Der zivile und der militärische Geheimdienst (BIA und VBA) wüssten sicher, wo sich Mladic versteckt halte, sagte der frühere General Ninoslav Krstic der Zeitung "Press" (Donnerstag): "Ich glaube, dass sie ihn bald verhaften." Die Aufforderung von zwei serbischen Ministern am Vortag, Mladic solle sich freiwillig stellen, sei vermutlich als Vorbereitung der Öffentlichkeit auf einen solchen Schritt zu verstehen, sagte der frühere General weiter. Demgegenüber behauptete der Mladic-Neffe Goran, sein Onkel werde sich niemals stellen. "Ich weiß, wie er denkt und bin sicher, dass er sich umbringen wird, bevor er verhaftet wird", sagte er der Zeitung "Press".

Normales Leben

Mladic hatte trotz Haager Anklage bis Anfang 2002 in seinem Belgrader Domizil gelebt. Später versteckte er sich sowohl in Westserbien als auch in der bosnischen Republika Srpska, in der Gegend um Han Pijesak, wo sich während des dreijährigen Bosnien-Krieges (1992-1995) sein Hauptstab befunden hatte. Laut jüngsten Erkenntnissen der serbischen Behörden lebte der Haager Angeklagte mindestens bis Anfang 2006 erneut in der serbischen Hauptstadt, wo er weiterhin vermutet wird.

"Ebenso wie Karadzic vor der Festnahme führt Mladic ein normales Leben, tritt aber nicht so offen in der Öffentlichkeit auf. Er verlässt seine Wohnung nur selten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden", zitierte "Blic" eine gut informierte Quelle.

 

Man geht dem Blatt zufolge davon aus, dass die Festnahme Mladics schwieriger als jene Karadzics sein dürfte. Dies wird vor allem auf seine engen Kontakte zu früheren Kollegen bei den serbischen Streitkräften zurückgeführt. Andererseits wird vermutet, dass der 66-jährige General bei nicht so guter Gesundheit wie Karadzic ist. In den späten 90er Jahren wurde er in einem Belgrader Militärkrankenhaus wegen Nierensteinen behandelt. Man berichtete auch über Depressionen, denen der bosnisch-serbische Militärchef nach dem Selbstmord seiner Tochter Ana im Frühjahr 1994 verfallen sein soll. (APA/dpa)

Share if you care.