Fette Ernte für Raiffeisen im Osten

7. August 2008, 18:09
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Raiffeisen International, der Ostbanken-Arm des Sektors, hat im ersten Halbjahr 2008 ein Rekordergebnis eingefahren, Mitte 2009 soll die RI-Bank in Kasachstan eröffnen

Wien - Zwar war er ein wenig verschnupft, mit den Halbjahresergebnis der Ostbankenholding des Raiffeisensektors, Raiffeisen International (RI), hatte das aber nichts zu tun. RI-Vorstandschef Herbert Stepic (Klimaanlagen setzen seiner Nase zu) präsentierte am Donnerstag die aktuellsten Zahlen des in 17 Ländern Ost- und Südosteuropas und in der GUS tätigen Unternehmens. Und griff dabei zu einem sektortypischen Vergleich: Die Finanzkrise habe bei den Banken "die Spreu vom Weizen getrennt. Raiffeisen International hat sich dabei als hochqualitativer Bioweizen erwiesen, als Perle unter allen Weizensorten. Wir wachsen natürlich, ohne Genmanipulation und Kunstdünger".

Rekordergebnis im Halbjahr

Betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Raiffeisen hat im zweiten Quartal sowie im ersten Halbjahr 2008 wieder ein Rekordergebnis eingefahren. Der Konzernüberschuss wuchs um 41 Prozent auf 566 Mio. Euro (siehe nebenstehende Grafik), die Zahl der Kunden stieg binnen eines Jahres um 1,7 Millionen auf 14,4 Millionen. Mit etwas mehr als 3000 Filialen habe die Bank (fast 62.000 Mitarbeiter) die stärkste Abdeckung in der Region, bis 2010 sollen weitere 670 Stück dazu kommen. Die Hälfte davon in den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion (GUS).
Ebendort (und in Südosteuropa) schnurrte der Geschäftsmotor besonders sanft, die GUS-Länder steuerten rund 36 Prozent zumHalbjahresergebnis bei, gemeinsam mit Südosteuropa waren es 70 Prozent. Zwar wird auch der Osten von heftigen Inflationsraten gequält, Stepic geht aber davon aus, dass diese bis Mitte nächsten Jahres auf ihr früheres Niveau gedrückt werden können - zudem wachse die Region immer noch um zwei- bis drei Mal stärker als die Märkte in Westeuropa.

Nachholbedarf bleibt hoch

Nach Sparten betrachtet lieferte das Geschäft mit Firmenkunden den größten Beitrag zumErgebnis (57 Prozent), bei den Produkten haben sich Fonds und Versicherungen am besten verkauft; "der Nachholbedarf ist immer noch enorm" , erklärte Stepic.
Freilich steigen auch die Kreditrisken - um dieser Entwicklung zu begegnen, wurde die Risikovorsorge erhöht (um 31 Prozent auf rund 200 Mio. Euro). Ob das angesichts der Tatsache, dass andere Banken ihre Vorsorge wesentlich höher angesetzt haben genüge? RI-Finanzchef Martin Grüll bejahte, und Stepic ergänzte: Zwar seien die notleidenden Kredite im zweiten Quartal gestiegen, in erster Linie seien dafür aber Währungsschwankungen verantwortlich gewesen.

Ungebrochene Expansionslust

Die Expansionslust der Raiffeisen-Banker ist ungebrochen. "Mit unserer breiten Aufstellung in 17 Märkten können wir jegliches Wachstum darstellen, das wir wollen" , meinte Stepic selbstsicher. Zukaufen um zu wachsen, müsse man nicht - aber natürlich "screene" man die Märkte weiterhin auf Akquisitionsmöglichkeiten.
In Kasachstan dagegen gehen die Raiffeisen-Manager, die im Osten einst Banken auf die grüne Wiese gestellt und erst dann mit Zukäufen begonnen hatten, wieder zu ihren Wurzeln zurück. Man hat um eine Banklizenz angesucht, die Vorbereitungen laufen, im ersten Halbjahr 2009 soll die kasachische Bank den Betrieb aufnehmen. "Back to the roots, back to the future" , nannte das Stepic bei seinemPressegespräch am Wiener Stadtpark, wo Raiffeisen Zentralbank und RI gerade den von Hans Hollein geplanten Neubau ihrer Unternehmenszentrale beenden.
Der Ausblick fürs Gesamtjahr bleibt unverändert: eine Milliarde Euro Gewinn; bis 2010 jährliches Wachstum von 20 Prozent. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2008)

 

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    RI-Vorstandschef Herbert Stepic sieht im Ergebnis ein "Zeichen der Stärke" des Geschäftsmodells.

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