Chef der Anonymen Spieler festgenommen

6. August 2008, 19:37
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Durch das Verschwinden ihres Gründers sind Spieler in finanzielle Turbulenzen geraten - Zu den Sponsoren gehören Automatenhersteller, Kasinobetreiber und Online-Wettanbieter



Salzburg - Es ist ein undurchsichtiger Kriminalfall, der am Mittwoch eine neue Wendung genommen hat: Der 45-jährige Gerald G., der 47.500 Euro vom Vereinskonto der "Anonymen Spieler Salzburg" abgehoben haben soll und im Ausland untergetaucht war, wurde nach zwei Monaten Flucht festgenommen. Er behauptet, man habe seine Familie bedroht.

Interviews gegen Bezahlung

Die letzten Tage verbrachte G. offenbar bei einem Bekannten in Berlin, der sich mehrmals bei Salzburger Medien gemeldet haben soll, um Interviews gegen Bezahlung zu vermitteln, wie der ORF berichtet. In einer Aussendung von dessen Firma Syn Media berichtete G. am Mittwoch von zwei Männern, die ihn am Morgen des 2. Juni in seinem Büro aufgesucht haben sollen. Sie hätten ihm Handyfotos von seiner Frau und seiner Tochter gezeigt und ihm zu verstehen gegeben, er solle „von der Bildfläche" verschwinden.

Zerstörung Reputation

Eine Lösung könne "nur in der Zerstörung meiner Reputation liegen", sollen die beiden Männer laut G. klargemacht haben. Um seine Familie zu schützen, habe er eingewilligt und drei Tage später mit den Vereinsgeldern das Land verlassen. Noch am Bahnhof habe er einem der beiden Männer 40.000 Euro ausgehändigt, behauptete er. Am Mittwochvormittag wollte er in einem Hotel am Salzburger Hauptbahnhof die Beweggründe für seine Rückkehr schildern. Dazu kam es aber nicht mehr: G. wurde vor dem Eingang zum Hotel festgenommen. Ihm werden Veruntreuung und schwerer Betrug vorgeworfen.

Kritiker des illegalen Automatenglücksspiels

Gerald G. hatte den Selbsthilfeverein der Anonymen Spieler vor fünf Jahren selbst gegründet und war auch bis zuletzt dessen Präsident, bis er nach seinem Verschwinden vom Vereinsvorstand seiner Funktion enthoben wurde. Er trat in der Öffentlichkeit immer wieder als Gegner des illegalen Automatenglücksspiels in Salzburg auf und kritisierte die seiner Meinung nach zu laschen Kontrollen der Polizei. Die Hintermänner seiner angeblichen Bedroher vermutet G. in der Glücksspielszene.

Sponsoren

Die Anonymen Spieler Salzburg sind durch das Verschwinden ihres Gründers in finanzielle Turbulenzen geraten. Man habe die Geschäfte nur weiterführen können, weil einige Sponsoren sich bereit erklärt hätten, ihre Zahlungen vorzuziehen, sagt Vereinssprecher Kurt Schüller. Zu den Sponsoren gehören Automatenhersteller, Kasinobetreiber und Online-Wettanbieter. (Markus Peherstorfer/ DER STANDARD Printausgabe 7.8.2008)

 

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