Der offene Brief

6. August 2008, 18:51
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Keine staatstragende Partei kann ohne kritische Intelligenz leben

Lacina, Steinhauer, Pluhar, Rathkolb, Petritsch. Ein Ex-Finanzminister, zwei Schauspieler, ein Historiker und Politologe, ein Diplomat und Balkan-Experte und andere. "Linke" innerhalb der SPÖ, Künstler, Intellektuelle, Leute mit internationalem Lebenslauf. Antinazis übrigens auch. Nach heimischer Kleinhäuslerphilosophie auch "Gutmenschen". Sie haben einen kritischen offenen Brief an die SPÖ geschrieben: Sie erkennen ihre Partei nicht wieder, insbesondere seit der "würdelosen Anbiederung an die Kronen Zeitung".

Spott und Häme, nicht nur aus der reaktionären Ecke, ist ihnen sicher. Naivlinge halt. Kann man so sehen. Aber: Die linken und liberalen Sympathisanten der SPÖ sprechen nur das Unbehagen aus, das in Teilen der Partei herrscht. Und: Seit Kreiskys Zeiten waren es diese Symbolfiguren, die viele Nichtsozis bewogen, "ein Stück des Weges mitzugehen", und so für Mehrheiten sorgten.

Faymann selbst ist sich dem Vernehmen nach dessen durchaus bewusst und sucht nach Anknüpfungspunkten. Denn ohne kritische Intelligenz kann eine staatstragende Partei nicht leben. Auch und gerade nicht eine sozialdemokratische. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2008)

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