Peinlich für Ruttenstorfer

6. August 2008, 18:46
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Die OMV hat die strengen Maßstäbe des europäischen Wettbewerbsrechts nicht erfüllt

Die Übernahme des ungarischen Ölkonzerns sei nur eine Frage der Zeit: „In zwei, drei Jahren diktieren bereits Österreicher im Budapester Mol-Sitz." Das hat Wolfgang Ruttenstorfer noch im Mai verkündet. Nun ist alles anders: „Der Vorstand ist zum Ergebnis gelangt, dass ein Zusammenschluss die von uns angelegten Maßstäbe nicht erfüllt", ließ der OMV-Chef nun verlautbaren. In Wahrheit ist es genau umgekehrt: Die OMV hat die strengen Maßstäbe des europäischen Wettbewerbsrechts nicht erfüllt.

Wieder einmal hat also ein Manager eines Konzerns aus dem staatsnahen Bereich allzu große Töne gespuckt, aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht - womit nicht die Mol selbst und die ungarische Regierung gemeint sind (die die OMV mit sonderbaren nationalistischen Tönen und Abwehrgesetzen wider den marktwirtschaftlichen Geist bekämpft haben). Der Wirt, der einen Strich durch die Rechnung zum Aufbau eines quasi monopolisierten mitteleuropäischen Ölkonzerns gemacht hat, war die EU-Kommission in Brüssel - zum Nutzen der Konsumenten, weil sonst höhere Preise gedroht hätten. Für Ruttenstorfer ist das eher peinlich. Die Treibstoffhändler aus Wien haben ganz an sich und ihren Profit gedacht, aber nicht an die Spritkäufer.

Verwunderlich ist solch österreichischer Tunnelblick nicht wirklich, wie man fast zeitgleich bei den jüngsten Privatisierungsüberlegungen der Faymann-SPÖ zur AUA gesehen hat. Sie will der Airline allen Ernstes gut 200 Steuermillionen nachwerfen, um die Sanierung hinauszuzögern, ganz so, als habe sie vom Verbot unlauteren Wettbewerbs durch Staatssubvention in der EU noch nie gehört. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8.2008)

 

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