Budapest: Erstmals Zahlungen an Holocaust-Überlebende

6. August 2008, 17:41
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NS-Opfer bekommen 1900 Euro

Mit den Budapester Juden wird mehr als ein halbes Jahrhundert nach Ende der Naziherrschaft jetzt zum ersten Mal eine bedeutende Gruppe von Holocaust-Überlebenden entschädigt, die bisher den Kriterien der meisten Wiedergutmachungsfonds nicht entsprochen haben.

Dies geht auf eine Vereinbarung zwischen dem deutschen Finanzministerium und der Conference on Jewish Material Claims Against Germany zurück. Etwa 6500 Überlebende des Naziterrors, die bisher aus keinem Fonds eine Zuwendung erhalten haben, sollen jetzt je 1900Euro als einmalige Zahlung aus einem Fonds von rund 12,3 Millionen Euro bekommen. Georg Heuberger, Repräsentant der Claims Conference für Deutschland erläuterte am Mittwoch in Budapest, dass die besonderen historischen Umstände eine spezielle Vereinbarung notwendig gemacht hätten.

In Ungarn habe nämlich der Naziterror, in dessen Verlauf etwa 400.000 Juden ermordet wurden, weniger lang gedauert als in anderen von den Nazis besetzten Gebieten. Selbst für die Claims Conference habe aber bisher eine KZ-Halt oder mindestens 18 Monate Leben im Ghetto als Bedingung für eine Entschädigung von Juden aus Osteuropa gegolten. Dies traf aber nur auf die wenigsten ungarischen Juden, von denen die meisten in Budapest lebten, zu.

Heuberger betonte, dass er dem deutschen Finanzministerium für die schnelle und flexible Billigung dieses Budapest-Fonds "höchste Anerkennung zollen" wolle. Die 1951 gegründete Claims Conference verwaltet erbenloses jüdisches Vermögen sowie Mittel von Staaten, die Rechtsnachfolger des Naziregimes sind. Obwohl von kürzerer Dauer als anderswo in Europa, war der Holocaust in Ungarn ebenso grausam.

Am 19. März 1944 besetzten deutsche Streitkräfte Ungarn. Einen Tag später kam Adolf Eichmann nach Budapest, um die Deportation der Juden zu organisieren. Kurz danach ergingen die Befehle zum Tragen des gelben Sterns und zur Ghettoisierung. Im Sommer 1944 begann die Deportation der Juden aus der Provinz. Im Oktober 1944 kamen die faschistischen ungarischen Pfeilkreuzler an die Macht. Sie ermordeten bei Pogromen und Massenerschießungen an der Donau in Budapest mindestens 30.000 Juden. (Kathrin Lauer aus Budapest/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2008)

 

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