Analyse: Vollendete orange Tatsachen im Krankenhaus

6. August 2008, 17:33
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Weiteres Köpferollen im LKH Klagenfurt befürchtet, Politik will in Spitälern wieder offen mitmischen

Klagenfurt - Im bisher rot dominierten Landeskrankenhaus Klagenfurt herrscht seit dem Amtsantritt des neuen Vorstands der ausgelagerten öffentlichen Kärntner Spitäler (Kabeg), Dieter Mandl, ein Fiasko. BZÖ-Mann Mandl fegt in Rambo-Manier durch das LKH-Klagenfurt und hat offenbar fast die gesamte Führungsetage auf seiner Abschussliste.

Dabei macht er sich auch hausinterne Strömungen gegen das bisherige Management zunutze. Der kaufmännische und der medizinische Direktor, Herwig Wetzlinger und Thomas Koperna, wurden wegen angeblicher schwerer Verfehlungen abberufen. Auch Wetzlingers Stellvertreterin Claudia Scharm-Groicher musste gehen. Sie wäre laut Kabeg-Gesetz und Landesaufsicht als interimistische Direktorin vorgesehen. Stattdessen hievte Mandl eine Vertraute aus der Innenrevision in die Chefposition. Konkrete Beweise hat Mandl bisher in keinem Fall vorgelegt. Kürzlich wurde auch die Pressesprecherin des LKH-Klagenfurt mit der Kündigung bedroht.

Damit dürfte das Köpferollen nicht zu Ende sein. Auch Führungskräfte aus dem administrativen und technischen Bereich bangen. Sie waren öffentlich gegen Mandls "Stasi" -Methoden aufgetreten. Die roten Spitalsgewerkschafter schweigen zu all dem.

Wie bereits in anderen Kärntner landesnahen Gesellschaften dürften hinter Mandls brachialer Vorgangsweise, unterstützt von Landeshauptmann Jörg Haider, auch orange Umfärbungswünsche stehen, gepaart mit Mandls persönlichen Revanchegelüsten. Der bisherige Direktor Wetzlinger hatte vor Jahren dessen üppigen externen Beraterhonoraren einen Riegel vorgeschoben. Nun sehen sich Wetzlinger und Koperna wegen des geäußerten Verdachts der Bilanzfälschung angeschüttet. Beide werden gegen ihre Abberufung klagen. Ihre mögliche Rehabilitierung kann jedoch lange dauern.

Bis dahin sollen offenbar vollendete Tatsachen und ein völliger Neustart am LKH-Klagenfurt geschaffen werden. Denn ÖVP und SPÖ wollen jetzt auch Mandl in der nächsten Kabeg-Sitzung hinauswerfen. Beide Parteien haben dafür das Kabeg-Gesetz geändert und der Politik wieder ein Mitspracherecht bei Personalbestellungen eingeräumt. So könnten den abgesetzten Direktoren satte Abfertigungen angeboten werden, damit sie "freiwillig" gehen. Diese lehnen einen solchen Deal allerdings vehement ab. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2008)

 

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