Von der Nische zum Mega-Trend

6. August 2008, 17:06
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International hat sich "Islamic Finance" zueinem lukrativen Geschäft entwickelt. Österreichische Banken versuchen von Trend zu profitieren. Im Inlandsgeschäft ist das aber noch kein Thema.

Wien - Der neue Trend in der Finanzbranche heißt "Islamic Finance" . Damit sind Produkte gemeint, die nach islamischem Recht (Scharia) veranlagen. Und das ist gar nicht so leicht, da etwa Zinsen nicht erlaubt sind. Damit fallen klassische Kredit- und Investitionsgeschäfte weg bzw. müssen anders strukturiert angeboten werden.

Mit internationalen Wachstumsraten von jährlich 15 bis 20 Prozent gehört Islamic Finance zu den am schnellsten wachsenden Sektoren der Finanzbranche. Damit bietet sich für Banken eine Chance, neue Märkte in Zentralasien mit einem Potenzial von 120 Millionen Kunden zu erschließen, wie aus einer Studie von Booz&Company hervorgeht.
Für die heimischen Banken wären diese Märkte nach der Osteuropa-Expansion ein weiterer lukrativer Rendite-Bringer. In Ansätzen versuchen österreichische Banken bereits, von diesem Kuchen ein Stück zu bekommen. "Wenn Österreich weiter in muslimische Kernmärkte expandiert und vor allem den Fokus auf die Erschließung neuer muslimischer Märkte in Zentralasien legt, könnten die heimischen Banken einen First Mover-Status erreichen" , sagt Klaus-Peter Gushurst, Seniorpartner und Bankexperte bei Booz&Company.

Produkte in Arbeit

Die Erste-Sparinvest (Espa) arbeitet seit längerem daran, im arabischen Raum einen Osteuropa-Fonds nach islamischen Regeln aufzulegen. "Wenn dieser Fonds gut läuft, denken wir daran, weitere Produkte zu vertreiben" , sagt Max Benedini, Asset-Manager bei der Espa, zum Standard. Der Fonds soll noch heuer starten, muss aber noch von einem Scharia-Beirat abgesegnet werden.
Diese Beiräte entscheiden darüber, ob ein Produkt alle Regeln des Islamic Finance berücksichtigt. Veranlagt werden darf etwa nicht in Unternehmen, die Alkohol herstellen oder vertreiben, Casinos, Waffenhersteller oder in die Tabakindustrie. Weltweit gibt es rund 50 Scharia-Beiräte und diese sind im Moment heiß begehrt und daher auch teuer.

Aber auch der Inlandsmarkt bietet mit rund 400.000 Muslime ein Potenzial von 230 Millionen Euro, wie Booz&Company vorrechnet. Ausgeschöpft werde das nicht. Nur im Geschäftskundenbereich gebe es erste Ansätze. Der Grund dafür liegt laut Studie darin, dass man muslimische Kunden hierzulande nicht direkt anspreche und man in Banken auch über neue Vertriebswege nachdenken müsste.
Der Druck auf heimische Banken könnte aber wachsen, da Institute aus dem arabischen Raum Interesse signalisieren, muslimische Kunden in Europa zu gewinnen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8.2008)

 

 

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