Vierter Staatsstreich seit der Unabhängigkeit

6. August 2008, 16:25
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Demokratisches Experiment nur von kurzer Dauer

Nouakchott - Der westafrikanische Wüstenstaat Mauretanien, der soeben den vierten militärischen Staatsstreich in 48 Jahren Unabhängigkeit erlebt hat, gerät nur selten in die Schlagzeilen. 1978 wurde der erste Präsident des Landes, Moktar Ould Daddah, von Offizieren gestürzt. 1984 kam es zum Putsch gegen Staatschef Mohamed Khouna Ould Haidalla, und 2005 wurde Maaouya Ould Taya, der einen pro-westlichen Kurs steuerte, während eines Auslandsaufenthalts entmachtet. Die Putschisten, zu denen der neue starke Mann General Mohamed Ould Abdel Aziz gehörte, versprachen eine demokratische Verfassung und hielten ihre Zusage ein.

Wahl im März 2007

Internationale Beachtung fand die erste demokratische Wahl, bei der im März 2007 Sidi Ould Cheikh Abdallahi zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Der ehemalige Finanzminister gehörte zur Gefolgschaft des gestürzten und exilierten Diktators Taya. Nachdem Abdallahi sich auf eine Machtprobe mit General Ould Abdel Aziz einließ und ihm das Kommando der Präsidentengarde entzog, kam es nun zum Putsch. Nach der Festnahme des Präsidenten, der eine Rebellion innerhalb der Regierungspartei vorausging, haben die neuen Machthaber am Mittwoch einen "Staatsrat" gebildet, an dessen Spitze Abdel Aziz steht.

Mauretanien, das 1960 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen wurde, sieht sich zunehmend durch islamistischen Terror bedroht. So ermordete ein Terrorkommando Ende Dezember vier französische Urlauber. Daraufhin wurde die auch durch Mauretanien verlaufende Dakar-Rallye abgesagt. Von den über drei Millionen Einwohnern sind 99 Prozent Muslime. Wichtige Wirtschaftszweige sind Eisenerzhandel, Fischerei, Viehhaltung und zunehmend auch die Öl-Förderung. Das 1,03 Millionen qkm große Land grenzt an den Atlantischen Ozean, die von Marokko besetzte Westsahara, Algerien, Mali und Senegal. Zwei Drittel der Einwohner sind arabisierte Mauren, die noch in den 1960er-Jahren mehrheitlich Nomaden waren. Die dunkelhäutige sesshafte Bevölkerung (Fulbe, Wolof, Bambara) lebt im Süden von traditioneller Landwirtschaft. Arabisch ist Amtssprache. Das Land ist Mitglied der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union. (APA/dpa)

 

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