Daimler mit Produktions-Drosselung und Abwehrplan

6. August 2008, 17:50
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In den deutschen Werken in Sindelfingen, Untertürkheim und Bremen soll der Ausstoß bis Jahresende um insgesamt 45.000 Fahrzeuge gesenkt werden, der Autobauer sucht Hilfe in Dubai

Stuttgart - Der Stuttgarter Autokonzern Daimler hat sich mit seinen deutschen Werken auf die Drosselung von Kapazitäten in den nächsten Monaten geeinigt. Der Ausstoß soll insgesamt um 45.000 Fahrzeuge bis zum Jahresende gesenkt werden, sagte ein Sprecher am Mittwoch auf Anfrage in Stuttgart. Um hohe Lagerbestände zu vermeiden, sollen in den Werken bei Bedarf immer wieder Schichten oder einzelne Produktionstage gestrichen werden. Hintergrund für die Maßnahme ist die schleppende Autokonjunktur.

Betroffen sind die großen Werke in Sindelfingen, Untertürkheim und Bremen sowie im US-Werk Tuscaloosa. Auch in den kleineren Standorten in Berlin und Hamburg sollen die Bänder zeitweise stillstehen. Im Werk in Rastatt soll zwar auch weniger gearbeitet, aber keine extra Betriebsvereinbarung über die Produktionsdrosselung abgeschlossen werden.

Schmieden am Abwehrplan

Um sich vor einem vom Management unerwünschten Übernahmeangriff eines Großinvestors zu schützen, schmiedet der Autobauer nach Informationen der Financial Times Deutschland mit dem früheren Daimler-Großaktionär Deutsche Bank an einer Abwehrstrategie. Demnach steht die Suche nach einem "Ankerinvestor" - ähnlich wie der jetzt gestarteten Kernaktionärssuche bei den Austrian Airlines - ganz oben auf der Prioritätenliste, berichtet das Blatt.
Diese Rolle könnte das Emirat Kuwait einnehmen, das mit einem Anteil von 7,6 Prozent der einzige nennenswerte Anteilseigner bei den Stuttgartern ist (womit es wiederum Parallelen zur Konstruktion bei der OMV geben würde, denn beim Mineralölkonzern ist die Staatsholding ÖIAGein langfristiges Syndikat mit dem Abu-Dhabi-Fonds Ipic eingegangen). Der Finanzminister von Kuwait habe bereits Interesse an einer Ausweitung des Engagements signalisiert, schreibt die Zeitung. Der Autohersteller wollte den Bericht nicht kommentieren.

Hintergrund für die Spekulationen sind der massiv gesunkene Aktienkurs und Börsenwert des Autobauers sowie das Fehlen eines Großaktionärs. Zuletzt war auch über den Einstieg des schwedischen Finanzinvestors Cevian Capital bei den Stuttgartern spekuliert worden. (Reuters/APA/dpa)

 

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