Milliarden-Offert im Bergbau

6. August 2008, 14:41
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Der schweizerisch-britische Rohstoffkonzern Xstrata will den weltweit drittgrößten Platin-Produzenten Lonmin um zehn Milliarden US-Dollar übernehmen

Zug/London - Der schweizerisch-britische Rohstoffkonzern Xstrata will den weltweit drittgrößten Platin-Produzenten Lonmin für zehn Mrd. US-Dollar (6,5 Mrd. Euro) übernehmen. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch im schweizerischen Zug mit. Xstrata, nach eigenen Angaben der weltweit fünftgrößte Rohstoff- und Bergbaukonzern, besitze bereits 8,03 Prozent des frei handelbaren Lonmin-Kapitals. Doch der Platin-Hersteller, der das Edelmetall in Südafrika schürft, hat das Angebot als zu niedrig abgelehnt. Es werde dem Unternehmenswert nicht gerecht. Der Übernahmeversuch sei daher unerwünscht, teilte die Lonmin plc in London mit.

Das Offert ist ein weiterer Konzentrationsversuch in der Rohstoffbranche. Erst Ende März war die Übernahme von Xstrata durch den brasilianischen Eisenerzproduzenten Vale gescheitert. Xstrata will mit dem Lonmin-Kauf das Rohstoff-Geschäft weiter diversifizieren und die Sparte Platin ausbauen. Lonmin sei ein attraktives Unternehmen, schöpfe aber sein Potenzial aufgrund von Schwierigkeiten im operativen Geschäft nicht voll aus. Verbesserungen in Betrieb und Management seien erforderlich.

Weniger Gewinn

Xstrata gab zugleich das Geschäftsergebnis des ersten Halbjahres 2008 bekannt. Danach ist der Gewinn um acht Prozent auf 2,75 Mrd. Dollar zurückgegangen. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 16,09 Mrd. Dollar. Xstrata ist nach eigenen Angaben in 18 Ländern mit insgesamt 56.000 Mitarbeitern aktiv. 25.000 Menschen seien in Südafrika in den Bereichen Kohle, Stahl und Platin beschäftigt. Lonmin beschäftigt 24.000 Menschen. Die Aktie stieg an der Börse in London um über 46 Prozent.

Kartellrechtliche Hürden sieht Xstrata bei einem Kauf von Lonmin nicht. Dagegen hat die Europäische Kommission bei der geplanten feindlichen Übernahme von Rio Tinto durch den australischen Bergbaukonzern BHP Billiton bereits auf die Gefahr von Preiserhöhungen und weniger Auswahl für die Kunden hingewiesen. Eine Entscheidung will die EU-Kommission bis zum 11. November fällen. Auf Einkaufstour ist auch der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal. Allein 2007 gab es 35 Übernahmen oder Fusionen. In diesem Jahr ist ArcelorMittal in den russischen Stahlmarkt eingestiegen und hat weitere Unternehmen unter anderem in den USA übernommen.

Xstrata ist aus der 1926 gegründeten Südelektra AG hervorgegangen, einer Schweizer Firma für Instrastruktur- und Stromprojekte in Lateinamerika. 1999 erfolgte die Umbenennung und die Konzentration auf den Rohstoffsektor. 2001 übernahm Xstrata die spanische Asturiana de Zinc. Eine Fülle von Zukäufen folgte. Dazu gehörte unter anderem 2003 die Zinkschmelze in Nordenham (Niedersachsen). (APA/dpa)

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