Patria bestätigt Kooperation mit Ex-Steyr-Vorstand Riedl

6. August 2008, 14:39
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Mit der einstigen Formel-1-Größe Wolf will der finnische Rüstungskonzern aber keine Geschäfte gemacht haben

Ljubljana/Helsiniki/Wien - Patria-Vorstandschef Jorma Wiitakorpi hat am Dienstag Mutmaßungen zurückgewiesen, wonach der finnische Rüstungskonzern mit dem Austrokanadier Walter Wolf Geschäfte gemacht hat. Allerdings sagte Wiitakorpi dem slowenischen Staats-TV, dass es Kooperationen mit dem Österreicher Hans Wolfang Riedl gegeben habe, vormals im Vorstand des Patria-Konkurrenten Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge (SSF) in Wien-Simmering. Details der in Branchenkreisen seit längerem vermuteten Zusammenarbeit nannte der Patria-Chef nicht.

Gegen Wolf und Riedl wurden im Zusammenhang mit den finnisch-slowenischen Ermittlungen gegen Patria Haftbefehle erlassen. Kolportiert werden verdächtige Kontobewegungen bei Wolf; Riedl, der Steyr auch in der Schweiz vertrat, soll zudem der Betriebsspionage verdächtigt werden. Der teils in finnischem Staatsbesitz und teils im Eigentum des europäische Luft- und Raumfahrt-Konzerns EADS stehende Patria-Konzern steht unter Verdacht, Schmiergeld bei einem 278 Millionen Euro schweren Rüstungsdeal mit Ljubljana (Laibach)im 2006 gezahlt zu haben.

Ungereimtheiten

Damals stach das Angebot der Finnen den slowenischen Konkurrenten Sistemska tehnika aus, Partner der in Wien ansässigen Steyr-Panzerschmiede. Aus Finnland könnte rund um den Verkauf der 135 Radpanzer an Slowenien Geld geflossen sein - und zwar über Riedl bzw. dessen Handelsgesellschaft mit Sitz in Wien und den in Slowenien aufgewachsenen Ölmillionär Wolf, wie slowenische Medien berichteten. Das "Wirtschaftsblatt" schrieb am Dienstag, Riedl soll auch in Kroatien tätig gewesen sein. Dort hatte Patria Steyr im Vorjahr ausgestochen.

Wieder auf freiem Fuß ist unterdessen der Mitte Mai in U-Haft genommene Patria-Repräsentant für Slowenien und Kroatien, Reijo Niittynen. Er wurde am Freitag aus der Haft entlassen. In Slowenien betonte Verteidigungsminister Karl Erjavec, die jüngsten Entwicklungen hätten nichts mit seinem Ressort zu tun, da sie nicht implizierten, dass Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums etwas mit Bestechung zu tun hätten.

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zu dem Fall ist am Zank zwischen Regierung und Opposition gescheitert. Unter Hinweis auf laufende Ermittlungen gab es von den Behörden in Ljubljana, Helsinki und Wien am Mittwoch zunächst keine weiteren Informationen in der Causa. (APA)

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