Vaterfreuden mit 111

6. August 2008, 14:13
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Die Brückenechse Henry im neuseeländischen Southland Museum hat sich zum ersten Mal gepaart - und auch bei "Lonesome George" rauscht's im Karton

Wellington - "Henry", Angehöriger einer Spezies, die im Ruf "lebender Fossilien" steht und selbst immerhin auch schon 111 Jahre alt, sieht zum ersten Mal der Vaterschaft entgegen: Die Brückenechse paarte sich in diesem Jahr mit seiner Partnerin "Mildred", wie das Southland Museum in Neuseeland am Mittwoch mitteilte. Daraus seien zwölf Eier entstanden, sagte die Kuratorin Lindsay Hazley. Sechs Monate dauert es bis zum Schlüpfen - dann wird man endgültig sehen, ob die Paarung erfolgreich war.

Henry lebt seit 1970 in dem Museum. Er zeigte aber kein Interesse am anderen Geschlecht, sondern verhielt sich Weibchen gegenüber aggressiv - bis ihm ein Genitaltumor entfernt wurde. Jetzt genieße er die Gegenwart von drei Weibchen, sagte Hazley. Dem Museum zufolge war es das erste Mal, dass sich Henry in Gefangenschaft paarte. Männliche Tuataras erreichen mit 20 die Geschlechtsreife und bleiben offenbar bis ins hohe Alter aktiv. Henrys Partnerin Mildred ist auch bereits zwischen 70 und 80 Jahre alt.

In Neuseeland leben nach Schätzungen noch etwa 50.000 der Tiere, verstreut auf kleine Inseln und zunehmend in Bedrängnis wegen des Klimawandels: Höhere Temperaturen führen dazu, dass tendenziell nur noch Männchen geboren werden. Das Ausweichen in kühlere Gebiete wäre den Brückenechsen aber nur noch mit Hilfe des Menschen möglich. Dabei blicken die Tiere auf eine lange Stammesgeschichte zurück: Ihre Vorfahren lebten schon vor 225 Millionen Jahren im Zeitalter der Dinosaurier. Die beiden Entwicklungslinien hatten sich damals bereits aufgespalten, sodass die heutigen Brückenechsen mit Krokodilen - wenngleich beide zu den Reptilien zählen - weniger nah verwandt sind als Krokodile ihrerseits mit Vögeln. 

Neues von "Lonesome George"

Und auch der gar nicht mehr so einsame Riesenschildkröterich "George" bekommt möglicherweise mehr Nachwuchs als zunächst gedacht: Im Galapagos-Nationalpark legte eine zweite Gefährtin Georges acht Eier. Bereits im Juli hatte die Nachricht für Aufsehen gesorgt, dass ein Weibchen, das "Lonesome George" seit Jahren begleitet, mehrere Eier gelegt hatte. Das zweite Weibchen begleite "Lonesome George" bereits seit 1993, teilte der Nationalpark am Montag mit. Beide Weibchen gehören zu nahe verwandten Unterarten der Riesenschildkröten, nicht zur Unterart Geochelone nigra abigdoni, deren letzter bekannter Vertreter "George" ist . Ob die Eier lebensfähige Nachkommen in sich tragen, wird sich nach Angaben der Wissenschaftler in etwa vier Monaten zeigen.

Die Darwin-Zuchtstation hatte sich zuvor 36 Jahre lang ebenso intensiv wie vergeblich darum bemüht, das Reptil zur Fortpflanzung zu bewegen. Sollte es mit dem Nachwuchs klappen, könnte Georges Unterart womöglich doch noch überleben. Die männliche Riesenschildkröte, die 1972 auf der zu Ecuador gehörenden Insel Pinta entdeckt wurde, ist etwa 70 Jahre alt und damit für ihre Art im "mittleren Lebensalter". (APA/AP/red)

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