Polizei nahm hungerstreikende Exil-Tibeter fest

6. August 2008, 13:14
posten

86 Aktivisten, die die Festnahme verhindern wollen, wurden ebenfalls verhaftet

Neu-Delhi - Nach mehr als einer Woche hat die Polizei in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi einen Hungerstreik von Exil-Tibetern gegen die Olympischen Spiele in Peking beendet und die sechs Männer festgenommen. Der Präsident des Tibetischen Jugendkongresses (TYC), Tsewang Rigzin, sagte am Mittwoch, 86 Unterstützer, die die Festnahme verhindern wollten, seien am Vorabend ebenfalls in Polizeigewahrsam genommen worden. "Wir verhandeln über ihre Freilassung." Die Polizei habe die Hungerstreikenden in ein staatliches Krankenhaus gebracht. An ihrer Stelle seien nun fünf weitere Männer und eine indische Unterstützerin in den Hungerstreik getreten.

Ein Polizeisprecher sagte, die Hungerstreikenden seien festgenommen worden, nachdem sie den Aufforderungen, ihren Protest freiwillig zu beenden, nicht nachgekommen seien. Ihr Gesundheitszustand sei immer schlechter geworden. Die sechs Männer, die meisten davon Mönche, hatten trotz Höchsttemperaturen von über 30 Grad Celsius in Neu-Delhi nicht nur auf feste Nahrung, sondern auch auf Wasser verzichtet. Der TYC - eine Organisation junger tibetischer Flüchtlinge - hatte "ein sofortiges Ende der brutalen Schreckenstaten und Unterdrückung in Tibet" sowie die bedingungslose Freilassung tibetischer politischer Gefangener gefordert.

Der Tibetische Jugendkongress hat zu einem internationalen Boykott der Olympischen Spiele aufgerufen. In einer Mitteilung hieß es: "Ohne Zweifel verdient es das chinesische Volk, Gastgeber der Olympischen Spiele zu sein, aber was das tibetische und chinesische Volk noch mehr verdienen, ist Freiheit." Ein Zusammenschluss von vier Organisationen plant von Donnerstag bis Samstag "friedliche Proteste" im nordindischen Dharamsala, wo der Dalai Lama im Exil lebt.

In Indien haben mehr als 100.000 tibetische Flüchtlinge Zuflucht gesucht, mehr als in jedem anderen Land. Tibetische Flüchtlingsgruppen in Indien demonstrieren seit März gegen die Olympischen Spiele in Peking. Der Dalai Lama, das Oberhaupt der religiösen Tibeter, hat sich allerdings nicht für einen Boykott ausgesprochen. Er fordert stärkere Autonomie innerhalb Chinas für seine Heimat. (APA/dpa)

Share if you care.