Konflikt um U23-Kicker beigelegt

6. August 2008, 13:01
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Der Sportgerichtshof in Zürich hat entschieden: keine Abstellungspflicht für Spieler unter 23 - Messi, Rafinha und Diego bleiben in Peking

Zürich - Der Sportgerichtshof CAS hat am Mittwoch in Zürich entschieden, dass keine Abstellungspflicht von Unter-23-jährigen Fußballern für die Olympischen Spiele in Peking besteht. Im Vorfeld hatten sich die Clubs FC Barcelona, Schalke 04 und Werder Bremen wegen der Abstellung ihrer Stars Lionel Messi (Argentinien) sowie Rafinha und Diego (beide Brasilien) gegen eine Abstellung gewehrt, der Weltverband FIFA diese aber als verpflichtend angesehen. Als Letztinstanz hatten sich die Vereine an den CAS gewandt.

In einer Aussendung gab der CAS am Mittwoch bekannt: "Das olympische Fußballturnier ist nicht im koordinierten Spiele-Kalender inkludiert und damit gilt keine Entscheidung des FIFA-Exekutivkomitees über eine obligatorische Abstellung der Spieler unter 23 Jahren für dieses Turnier. Die Bedingungen für eine solche Entscheidung sind nicht gegeben." Somit bestehe keine Abstellungspflicht.

Genugtuung

Bei Werder und Schalke hat das Urteil Genugtuung ausgelöst. Beide Vereine sehen sich in ihrer Rechtsauffassung bestärkt. "Die FIFA ist mit dem Versuch gescheitert, bestehende Paragrafen auszuhebeln und neues Recht zu schaffen. Es war unsere Pflicht, uns gegen diese Willkür zur Wehr zu setzen", sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs.

In Jubel brach jedoch keiner der Betroffenen aus. "Wir fühlen uns nicht als der große Sieger. Denn es ist durch den Zeitverzug eine unmögliche Situation entstanden: Wir müssen nunmehr fünf Minuten vor Anpfiff des olympischen Fußballturniers entscheiden, ob wir den Spieler zurückrufen oder nicht", sagte Schalkes Manager Andreas Müller.

Verzicht

Der Berufung von Werder und Schalke gegen das von der FIFA vor einer Woche gesprochene Urteil wurde in vollem Umfang stattgegeben. Werder und Schalke kündigten am Mittwoch unisono an, trotz des Erfolges vor dem CAS auf eine nun nicht mehr sinnvolle Rückholaktion ihrer Leistungsträger zu verzichten, knüpften deren Verbleib aber an Bedingungen.

Laut Hertha-Manager Dieter Hoeneß, dessen Verein den Serben Kacar abstellt, sollen die Verbände vor dem ersten Spiel bestimmte Bedingungen erfüllen: Sie müssen das Gehalt des Spielers für den Zeitraum der Abstellung übernehmen, eine Abstellungsgebühr zahlen und eine Versicherung abschließen. Die betroffenen Clubs wollten eine gemeinsame Linie verabreden und sich am Nachmittag offiziell äußern.

"Unding"

"Wie sich die FIFA verhalten hat, ist ein Unding", schimpfte Hoeneß. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) fühlt sich in ihrer Ansicht bestätigt. DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus sagte: "Diese Entscheidung haben wir erwartet. Die FIFA hat es leichtfertig verpasst, frühzeitig die geltende Rechtslage anzuerkennen."

Insgesamt neun Spieler sind aus der deutschen Bundesliga im Olympischen Fußball-Turnier vertreten: Neben Diego, Rafinha, Kacar und Obasi auch noch der Brasilianer Breno, der Argentinier José Ernesto Sosa (beide Bayern München), der Serbe Dusko Tosic vom Prödl- und Harnik-Club Werder Bremen sowie die beiden Belgier Vincent Kompany und Vadis Odjidja-Ofoe vom Hamburger SV.

Diego und Rafinha und ...

Brasiliens Verband erklärte, dass Diego und Rafinha beim Team bleiben. "Wir haben keine offizielle Mitteilung bekommen. Die Spieler bleiben Teil des Teams und werden gegen Belgien (am Donnerstagvormittag, Anm.) spielen", betonte Verbandssprecher Rodrigo Paiva.

... Messi bleiben

Auch Barcelona - derzeit auf US-Tour - könnte Messi noch zurückfordern. Doch Argentiniens Trainer Sergio Batista ließ kurz nach dem Urteil verkünden, dass der Mittelfeldspieler in China bleiben werde: "Er ist für die Startelf vorgesehen." Auch Julio Grondona, Präsident der argentinischen Verbandes AFA, sagte im staatlichen Fernsehsender C5N, dass Messi in China bleiben werde.

Vonseiten des IOC meinte Olympia-Direktor Gilbert Felli: "Ich bin traurig für die Athleten, die davon träumen, hier zu sein. Wir werden hart mit der FIFA daran arbeiten, dass in Zukunft die besten Nachwuchsspieler bei Olympia sind. Die Klarheit hätte vor zwei, drei Monaten kommen müssen." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lionel Messi in China, das gefällt dem FC Barcelona ganz und gar nicht.

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