Olympia: Ursachen für Internet-Probleme im Pressezentrum unklar

6. August 2008, 11:50
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IT-Experten: W-LAN kann durch einzelne Laptops gestört werden - Zusammenhang mit Zensur unwahrscheinlich

Im Olympischen Pressezentrum in Peking gab es Tage vor Beginn der Spiele vorübergehend Probleme mit der Internetverbindung. Anfang der Woche waren offenbar die W-LAN-Zugänge "ausverkauft" und laut Medienvertretern soll die drahtlose Verbindung zum Netz instabil und langsam gewesen sein. Die Komplikationen mit W-LAN könnten daran liegen, dass zu wenig Router aufgestellt waren. Für Armin Sumesgutner von der Telekom Austria (TA) ist dies eher eine "Planungsfrage" als eine technische. Dass die Schwierigkeiten mit der Zensur zusammenhängen, sei unwahrscheinlich, meinte der Experte auf APA-Anfrage.

W-LAN funkt im sogenannten ISM-Band, einem frei lizenzierten Frequenzband. Momentan gibt es vier große Standards, nämlich 802.11a, 802.11b, 802.11g und 802.11.n, die teils in verschiedenen Frequenzbereichen arbeiten und unterschiedliche Übertragungsraten ermöglichen. Im Pekinger Pressezentrum wird wahrscheinlich eine dieser Technologien verwendet, da sie mit den Laptops der Journalisten kompatibel sein müssen.

Jedes Frequenzband ist in mehr als zehn Kanäle aufgeteilt, wobei sich nur wenige (in Europa drei) nicht überschneiden. Beim Aufbau des W-LANs in Peking hatte man also nur eine geringe Anzahl von Kanälen zur Verfügung. "Wenn es richtig gemacht ist, dürfen einander die Router bzw. Access Points nicht stören", erläuterte Sumesgutner, Leiter des Strategischen Portfolios und Innovationsmanagements der TA.

Das "Schneckentempo" der Internetverbindung könnte auch daran gelegen haben, dass zu wenige Router bzw. Access Points angebracht worden waren. Wollen zu viele Notebooks auf einen Access Point zugreifen, kann es zur Überlastung einzelner Basisstationen kommen. Ein österreichischer Mitarbeiter eines internationalen Technologie-Konzerns meinte im APA-Gespräch: "Wir empfehlen 25 bis 30 User pro Access Point." Laut dem Netzwerktechnik-Experten spielt auch die Größe der einzelnen Funkzellen eine Rolle.

Zu Komplikationen könnte es auch kommen, wenn viele Reporter gleichzeitig in Bewegung sind: Die jeweiligen Access-Points müssen dann ständig sogenannte Handovers durchführen, also den Datenstrom an die nächste Station übergeben, erklärte Sumesgutner. Eine weitere potenzielle Problematik besteht in der Konfiguration der einzelnen Computer. Senden die Notebooks mit der falschen Leistung, kann es zu Funkstörungen kommen, erläuterte der Netzwerktechnik-Experte. Seitens der Veranstalter sei es deshalb unabdingbar, die Journalisten darauf hinzuweisen, auf welche Frequenz sie ihre Geräte einstellen sollen, meinte Sumesgutner.

"Bei W-LAN gibt es einfach physikalische Grenzen. In so einem Fall muss man auf Kabel ausweichen", sagte Sumesgutner. Tatsächlich wird den Journalisten in Peking auch eine Breitband-Variante mit Kabel angeboten.

Dass die Probleme an der Verbindung zwischen den Routern bzw. Access Points und dem Internet gelegen haben, ist laut Sumesgutner eher unwahrscheinlich. "Ab dem Router kann man die Kapazitäten nahezu unendlich upgraden". Für eine nunmehrige Steigerung der Bandbreite müsste die Infrastruktur aber bereits bestehen. Man dürfe nicht vergessen, dass "China sehr weit ist in seiner IT-Entwicklung." Eine Kapazitäten-Überschreitung sei laut dem Netzwerktechnik-Fachmann aber "nicht auszuschließen". Wenn 20.000 Journalisten gleichzeitig ein Video versenden wollen, sei eine Überlastung durchaus denkbar.

An einen Zusammenhang der instabilen und langsamen Internetverbindung mit Zensurmaßnahmen glauben beide Experten nicht. Die vermutlich bei den Providern angesiedelten Filteranlagen, die definieren, welche Sites aufgerufen werden dürfen, seien wahrscheinlich auf die vorhandene Bandbreite ausgerichtet. Auch die landeseigene Verschlüsselungstechnik WAPI dürfte nur eine geringe Rolle spielen. Nicht-chinesische Laptops sind nämlich üblicherweise nicht WAPI-fähig. Welche Verschlüsselungstechnik tatsächlich im Pressezentrum zur Anwendung kommt, ist nicht bekannt.(APA)

 

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