Lina Wertmüller feiert 80er

6. August 2008, 10:51
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Die italienische Regisseurin und Fellini-Assistentin wurde mit Filmen wie "Liebe und Anarchie" und "Sieben Schönheiten" berühmt

Wien - Lina Wertmüller, eine der bekanntesten Regisseurinnen Italiens, gilt als ungewöhnliche Frau, die noch ungewöhnlichere Filme gedreht hat. Die 1928 in Rom geborene Tochter eines Rechtsanwalts aus Schweizer Familie, der sie den bürgerlichen Namen Arcangela Felice Assunta Wertmüller von Elgg verdankt, konnte insbesondere in den 70er Jahren mit Streifen wie "Liebe und Anarchie"(1973) und "Sieben Schönheiten"(1976) ein echtes Original des internationalen Films werden. Denn die temperamentvolle Frau mit den zahllosen weißen Brillen, die am 14. August ihren 80. Geburtstag feierte, hatte eine ganz eigene Handschrift, groteske Kinogeschichten zu erzählen.

Anfänge

Ihr Filmdebüt "Die Basilisken" lieferte sie 1963 mit einer Studie über das Provinzleben in Süditalien. Größeres Aufsehen erregte die ehemalige Fellini-Assistentin mit der satirischen Kleinbürger-Komödie "Mimi, in seiner Ehre gekränkt" (1971) und erhielt eine Auszeichnung beim Filmfestival von Cannes. In diesem Film spielte Giancarlo Giannini die Hauptrolle und blieb auch in den weiteren Werken Wertmüllers unverwechselbarer Star - insbesondere in dem 1973 entstandenen wohl bekanntesten Wertmüller-Streifen "Liebe und Anarchie", in dem Giannini einen Naivling mimte, der in einem römischen Bordell ein Attentat auf den faschistischen Diktator Mussolini vorbereitet.

Höhepunkte

Noch verrückter ging es 1975 in "Sieben Schönheiten" zu: Ein neapolitanischer Gangster, natürlich wieder Giannini, landet in einem deutschen Nazi-KZ und überlebt nur, weil er in Liebesdingen einer hässlich-brutalen Wärterin ausgezeichnete Dienste erweist. Solches galt vielen als geschmacklos, doch die zierliche Frau, die sich selbst eine "geniale Idiotin" nennt, wurde in den USA eine Kultfigur, bekam für "Sieben Schönheiten" vier Oscar-Nominierungen sowie einen Vertrag für Hollywood. Das dort realisierte Ehedrama "In einer Regennacht" versagte allerdings 1977 an der Kasse, und Wertmüller kehrte nach Italien zurück.

Die beste Zeit der mit einem Bildhauer verheirateten Regisseurin war nun jedoch vorbei. Erwähnenswert aus der folgenden Zeit ist noch der 1985 gedrehte Film "Camorra", der ein Sittenbild des neapolitanischen Gaunermilieus entwarf. Mit den vorerst letzten beiden Filmen "Shampoo, Sex und Politik" Mitte der Neunziger und "Francesca e nunziata" (2001), mit Sophia Loren als jung gebliebene Großmutter, konnte sie bei weitem nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen.

Wiederentdeckung

In den vergangenen Jahren trat die stets energiegeladene Römerin, die noch immer stolz auf 15 Schulrausschmisse in ihrer Jugend ist, verschiedentlich als Opernregisseurin in Erscheinung. Und 2007 erschien im englischen Sprachraum das Buch "Man in Disorder: The Cinema of Lina Wertmüller in the 1970s" von Grace Rasso, das der Regisseurin für ihr Werk der 70er Jahre ein wenig jener Ehre angedeihen ließ, die sie sich auf jeden Fall verdient hat. Eine Wiederentdeckung der Italienerin im deutschen Sprachraum ist vorerst noch ausständig. (APA/AP)

 

  • Lina Wertmüller erhält den  "Capri Legend Award' von Claude Lelouch.
    APA/EPA/Ciro Fusco

    Lina Wertmüller erhält den  "Capri Legend Award' von Claude Lelouch.

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