Henkel senkt Gewinnerwartung

6. August 2008, 11:09
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Angesichts steigender Lebenshaltungskosten sei eine zunehmende Zurückhaltung der Verbraucher bemerkbar, der Konzern reagiert mit einem Sparprogramm, Jobabbau und höheren Preisen

Düsseldorf - Der neue Henkel-Chef Kasper Rorsted hat die Gewinnprognose des Konsumgüterkonzerns angesichts steigender Rohstoffpreise und des schwachen US-Dollar leicht nach unten korrigiert. Im zweiten Quartal verdiente der Düsseldorfer Hersteller von Pritt, Persil und Pattex deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Der Gewinn nach Anteilen Dritter brach auf 38 (234) Mio. Euro ein. Vor allem die wichtige Waschmittelsparte musste wegen steigender Materialkosten Federn lassen.

Die Umsatzprognose hob der seit April amtierende Rorsted etwas an. Henkel erwarte 2008 nun ein organisches Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent; bisher lautete die Erwartung auf drei bis vier Prozent. Das um Einmaleffekte bereinigte Ebit solle um einen Wert "am unteren Ende des mittleren Zehnprozentbereichs" zulegen - also um etwa 14 Prozent. Bisher hatte Henkel einen Anstieg im "mittleren Zehnprozentbereich" vorausgesagt. das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie solle "am unteren Ende des mittleren einstelligen Prozentbereichs" (bisher: "im mittleren einstelliger Prozentbereich") steigen - also um etwa vier statt um rund fünf Prozent.

Zahlreiche Konsumgüterhersteller hatten bereits anziehenden Kosten und eine zunehmende Zurückhaltung der mit den steigenden Lebenshaltungskosten kämpfenden Verbraucher zu spüren bekommen.

Restrukturierungsaufwendungen

Im zweiten Quartal musste Henkel wegen Restrukturierungsaufwendungen von 256 Mio. Euro Abstriche beim operativen Gewinn (Ebit) machen, der auf 113 (2007: 339) Mio. Euro einbrach, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Henkel will bis 2011 rund 3.000 von rund 58.000 Stellen weltweit streichen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Rund 1.000 Arbeitsplätze sollen allein in Deutschland wegfallen. Im Gesamtjahr 2008 würden Restrukturierungsaufwendungen für das Sparprogramm und die Integration von Zukäufen von bis zu 780 Mio. Euro fällig.

Ohne die Restrukturierungskosten legte das Ebit um 7,8 Prozent auf 372 Mio. Euro zu, die Ebit-Marge ging wegen der gestiegenen Rohstoffkosten aber auf 10,1 Prozent zurück. Getrieben von der milliardenschweren Übernahme von Teilen des Konkurrenten National Starch legte der Umsatz auf 3,67 (3,29) Mrd. Euro zu. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Umsatz von 3,74 Mrd. Euro und einem Ebit von 114 Mio. Euro gerechnet.

In der Reinigungsmittelsparte hinterließen die steigenden Rohstoffpreise Spuren in der Bilanz. Das operative Ergebnis schrumpfte auf 96 (111) Mio. Euro. Preiserhöhungen und Einsparungen hätten die höheren Einkaufspreise nicht wettmachen können, räumte Henkel ein. In der durch die milliardenschweren Zukäufe gestärkten Industrie- und Klebstoffsparte legte das Ebit trotz der Immobilienkrise in den USA deutlich auf 195 (162) Mio. Euro zu.

Preisschraube

Der Konsumgüterkonzern will im zweiten Halbjahr an der Preisschraube drehen, um die steigenden Rohstoffkosten aufzufangen. Henkel erwarte in diesem Zeitraum Preissteigerungen zwischen fünf bis zehn Prozent, kündigte Vorstandschef Kasper Rorsted an. In den USA seien diese bereits angekündigt worden. Auch in Österreich hatte der Konzern schon im Juni Preissteigerungen angekündigt. Henkel gehe davon aus, die angepeilten Preiserhöhungen durchsetzen zu können.

Zum Stand der Verhandlungen über die Beteiligung an dem US-Konzern Ecolab gebe es keinen neuen Stand, sagte Finanzchef Lothar Steinebach. Henkel prüft im Rahmen der Finanzierung eines milliardenschweren Zukaufs einen Verkauf der Beteiligung. Henkel erwarte aber noch 2008 eine "endgültige Regelung", betonte der Finanzchef. (APA/Reuters)

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