Berichte über mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Musharraf

6. August 2008, 09:08
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Präsident nimmt Absage für Olympia-Feier kurzfristig zurück

Islamabad - Wegen Presseberichten über eine drohende Absetzung durch die Regierungskoalition hat der pakistanische Präsident Pervez Musharraf seinen Besuch der Olympischen Spiele in Peking zunächst abgesagt, seine Entscheidung dann aber rückgängig gemacht. Der Staatschef werde am (morgigen) Donnerstag nach China reisen, erklärte das Außenministerium in Islamabad am Mittwoch. Musharraf habe seine Entscheidung "angesichts unserer besonderen Beziehungen zu China" noch einmal überdacht.

Die Vorsitzenden der Pakistanischen Volkspartei (PPP) und der Pakistanischen Muslimliga (PML-N) berieten am Mittwoch in Islamabad den zweiten Tag in Folge über eine Wiedereinsetzung der von Musharraf im vergangenen Jahr entlassenen Richter und über das weitere Schicksal des von ihnen abgelehnten Präsidenten. Die Zeitung "Dawn" berichtete, dass beide Parteien vereinbart hätten, Musharraf formell zum Rücktritt aufzufordern. Wenn er dem nicht entspreche, seien parlamentarische Schritte zu seiner Absetzung geplant.

Ein Sprecher der PPP bestätigte lediglich den Inhalt der Gespräche zwischen den beiden Parteichef Asif Ali Zardari (PPP) und Nawaz Sharif (PML-N). Zardari, Witwer der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto, sagte den Angaben zufolge ebenfalls eine geplante Reise zu den Olympischen Spielen ab. Musharraf wollte ursprünglich am Mittwoch nach Peking fliegen.

Bei Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und militanten Islamisten sind am Mittwoch im Swat-Tal im Nordwesten Pakistans mindestens 11 Rebellen und drei Zivilisten ums Leben gekommen. Dabei sei auch ein ranghoher Anführer der Militanten getötet worden, teilte die Armee in der Hauptstadt Islamabad mit. Im ohnehin unruhigen Swat-Tal waren die Kämpfe vergangene Woche wieder aufgeflammt. Seitdem starben bei bewaffneten Auseinandersetzungen 120 Menschen.

Eigentlich herrscht im Swat-Tal, einem früheren Touristengebiet, seit Mai ein Friedensabkommen zwischen Regierung und Extremisten. Die Einigung sieht einen schrittweisen Rückzug der Sicherheitskräfte aus der Region vor. Im Gegenzug sollen Angriffe radikalislamischer Extremisten unterbunden werden. Die den Taliban nahestehenden Kämpfer hatten sich zudem verpflichtet, Ausbildungslager des Extremistenführers Maulana Fazlullah aufzulösen. Fazlullah, der mehr als 5000 bewaffnete Anhänger haben soll, will in der Swat-Region ein Taliban-ähnliches Regime samt islamischem Recht (Scharia) einführen. (APA/AP/dpa)

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