Der Völkermord in Ruanda

5. August 2008, 21:18
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800.000 Tote in nur 100 Tagen

Hamburg - In den Trümmern des Flugzeuges, das am 6. April 1994 beim Landeanflug auf Kigali von einer Rakete abgeschossen wurde, starben Ruandas Hutu-Präsident Juvenal Habyarimana und Burundis Staatsoberhaupt Cyprien Ntaryamira. Das bisher nicht aufgeklärte Attentat gilt als Auslöser für den drei Monate dauernden Völkermord in dem ostafrikanischen Land, dem mindestens 800.000 Menschen zum Opfer fielen.

Seit dem Ende des Bürgerkriegs befasst sich ein von den Vereinten Nationen eingerichteter Strafgerichtshof im tansanischen Arusha mit dem Verbrechen. Bis Ende 2008 sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein, es gilt jedoch angesichts der zahlreichen noch laufenden Verfahren als fraglich, ob diese Frist eingehalten werden kann. Täter mit geringerer Schuld müssen sich in Ruanda vor den traditionellem Gacaca-Gerichten verantworten.

In der Geschichte Ruandas hatte es mehrfach Spannungen zwischen der Volksgruppe der Hutu und der Minderheit der Tutsi gegeben, die 1994 in Völkermord und Massenflucht der Tutsi und moderater Hutu eskalierten. In nur 100 Tagen wurden Männer, Frauen und Kinder durch Hutu-Milizen, Armee und Präsidentengarde bestialisch ermordet. Auch gemäßigte Hutus wurden Opfer des Massenmords. Nach Angaben von Menschenrechtlern und Helfern war der Völkermord geplant. Ziel der Gräueltaten sei die Ausrottung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandesischen Bevölkerung ausmachten.

Infolge des Bürgerkrieges flohen weit mehr als zwei Millionen Ruandesen, mehrheitlich Hutus, nach Burundi, Tansania, Uganda und in den Kongo (damals Zaire). Die UNO zog einen Großteil ihrer in Ruanda stationierten Truppen kurz nach dem Ausbruch des Konflikts ab. Frankreich entsandte im Juni Truppen nach Ruanda, die im Südwesten eine Schutzzone schufen.

Im Juli nahmen die von der Tutsi-Minderheit dominierten Rebellen der Patriotischen Front Ruandas (RPF) die Hauptstadt Kigali ein und setzten eine neue Regierung ein. Der Hutu Pasteur Bizimungu wurde Staatspräsident, Rebellenführer Paul Kagame Vizepräsident. Kagame, heute Präsident, wird von einem französischen Untersuchungsrichter verdächtigt, den Abschuss des Flugzeuges in Auftrag gegeben zu haben.

Ehemalige Mitglieder der Hutu-Milizen haben sich bis heute in den Bergen des Ostkongo verschanzt und kämpfen in dem Konflikt der kongolesischen Provinz Nord-Kivu. (APA/dpa)

 

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