Flakturm-Lobbys kämpfen um Gunst der Anrainer

5. August 2008, 21:04
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Ein auf dem Plateau des Flakturms im Esterhazypark geplantes Hotel stößt in Mariahilf auf breite Ablehnung - Doch die Anrainer fürchten, dass es trotzdem gebaut wird

Wien - Offiziell scheint es niemand zu wollen, doch trotzdem könnte das Hotel, das der Wiener Szenegastronom Bernd Schlacher auf dem Plateau des Haus des Meeres bauen will, auch errichtet werden. Auf 90 Meter soll der 47 Meter hohe Flakturm nach Plänen der Investoren (Schlacher und das Architekturbüro von Wolf D. Prix, Coop Himmelb(l)au, das die Luxus-Herberge auch plant) anwachsen. In der Bezirksvorstehung Mariahilf, aber auch unter den Anrainern stößt das Projekt auf Ablehnung: Alle im Bezirksparlament vertretenen Parteien haben sich per Beschluss gegen das geplante Hotel entschieden. Und auch im Büro des zuständigen Planungsstadtrats Rudi Schicker (SP) heißt es, dass Schlachers Pläne nur aus den Medien bekannt seien. Ein solches Projekt hätte auch Auswirkungen auf den Flächen- und Bebauungsplan, sagt Schickers Sprecherin Vera Layr - und dieser sei erst im September des Vorjahres dahingehend geändert worden, dass der Esterhazy-Park als Grünfläche gewidmet ist. Abgesehen vom Flakturm, der schon seit dem Zweiten Weltkrieg dort steht, darf hier nicht gebaut werden.

Initiative gegen Hotelprojekt

Anrainer, im Besonderen die Bürgerinitiative „Stoppt das Hotelprojekt Flakturm", fürchten durch den möglichen Hotelbau den Verlust von Lebensqualität in Mariahilf. Denn das Erholungsgebiet Esterhazypark im stark verbauten Bezirk könnte wegen eines hohen Bauwerks im wahrsten Sinne des Wortes überschattet werden. Zu bedenken geben Margareta Krammer und Harald Woschitz, die Gründer der Initiative, auch, dass der Flakturm unter Denkmalschutz stehe. Trotz der breiten Ablehnung scheint das Hotelprojekt aber fix. "Wir sind überzeugt, dass es Vorgespräche mit der Stadtregierung gegeben haben muss. Denn ohne grünes Licht geht so ein Projekt nicht in die Planungsphase", sagt Woschitz. Gespräche mit Schicker habe es gegeben, bestätigt Schlachers Sprecherin Petra Tischler. Im Büro Schicker eingereicht habe man Pläne aber nicht. „Wir warten zuerst auf das Okay für den Grundplan und reichen erst dann ein. Denn so eine Einreichung kostet viel Geld", sagt Schlacher im Standard-Gespräch. Von einem Gespräch über das Projekt weiß Schicker-Sprecherin Vera Layr aber nichts.
Schlacher und Coop Himmelb(l)au sind jedenfalls bemüht, die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu beeinflussen. So wurde vor wenigen Wochen eine Studie präsentiert, wonach der Hotelturm nur wenig Veränderung beim Schattenwurf bringe. Außerdem überrage der Flakturm ohnehin schon alle Bauten der Umgebung. Die Regelung, wonach eine Beschattung von über zwei Stunden nicht erlaubt sei, werde eingehalten, heißt es.

"Keine Kampagne"

Für den Luxusbau, der 80 Zimmer, 20 Suiten, eine Bar, ein Restaurant und einen Spa-Bereich beinhalten soll, fand Schlacher in der Gratiszeitung Heute in Form von positiver Berichterstattung Unterstützung. Für die Gegner liegt der Verdacht nahe, dass durch Lobbying die Stimmen gegen das Projekt weniger hörbar werden sollen - damit man im Rathaus auf den öffentlichen Druck hin dem Hotelprojekt zustimmt. Heute-Chefredakteur Richard Schmitt wehrt sich gegen den Vorwurf der Kampagnisierung. „Wir schreiben lediglich über das Projekt. Mich stört aber, dass in dieser Stadt alles madig gemacht wird, bevor man es überhaupt kennt." (Marijana Miljkovic/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)

 

 

  • Hotel plus Flakturm ergeben 90 Meter. Streit um Luxus oder Schatten im
Esterhazypark ist entbrannt.
    rendering: coop himmelb(l)au; bearbeitung: druml

    Hotel plus Flakturm ergeben 90 Meter. Streit um Luxus oder Schatten im Esterhazypark ist entbrannt.

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