Geistesblitz: Ein Grenzgänger

5. August 2008, 20:03
posten

Der Kommunikations- Wissenschafter Michael Latzer wechselt an die Uni Zürich

Für Michael Latzer ist die Informationsgesellschaft ein Wandermythos, der seit den 1960er-Jahren kommt und geht - mit wechselnden Namen. Der Spezialist für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) am Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, prägte den Begriff "Mediamatik" für ein gesellschaftliches Kommunikationssystem, in dem die davor getrennten Bereiche Telekommunikation und Massenmedien verschmolzen sind. Getrieben und beispielhaft verwirklicht werde Mediamatik durch das Internet.

Nach vielen "spannenden Jahren" an der Akademie übernimmt der bald 47-Jährige im August einen Lehrstuhl für Publizistik- und Kommunikationsforschung am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Uni Zürich. Dort wird er eine neue Abteilung leiten, die Merkmale und Folgen des Medienwandels analysiert und lehrt: "Das Angebot ist unwiderstehlich. Die Uni zählt zu den besten Europas, auch von den Arbeitsbedingungen her", freut sich Latzer.

Geboren in Güssing, studierte er an der Uni Wien "aus Vernunft und Interesse gleichermaßen" Wirtschaftsinformatik und Politikwissenschaft. Habilitiert hat er sich in der Kommunikationswissenschaft. Diese Kombination erwies sich für die Medienforschung als besonders hilfreich: "Ich wurde zum Grenzgänger, weil viele gesellschaftspolitische Probleme und spannende Erkenntnisse an den Rändern der Disziplinen liegen, wo sie sich überlappen."

Sein Untersuchungsgegenstand ist permanent und rasch in Bewegung, aber glücklicherweise sind nicht alle Aspekte der Veränderung gleich relevant. Eine internationale Vernetzung liefert wichtige Hinweise und spart Zeit.

Da im Studium stets die Konkurrenz zwischen den USA, Europa und Japan in der weltweiten IT und Telekommunikationsentwicklung betont wurde, wollte er alle drei Regionen kennenlernen. Auslandsaufenthalte an der Columbia University in New York, der University of California in San Diego, dem Massachusetts Institute of Technology in Boston (alle USA) sowie am Center for Global Communications in Tokio (Japan) folgten. Geblieben sind ihm davon vor allem eine Sensibilisierung für die hohe Bedeutung der kulturellen Prägung, ein aufschlussreicher Blick von außen auf Europa, die internationale Vernetzung und eine Vorliebe für japanisches Essen.

Technische Überlegenheit allein ist keineswegs eine Erfolgsgarant, könnte Michael Latzer den Entwicklern als Merksatz an die Tafel schreiben. Vielmehr entscheide ein Zusammenspiel von technischen, ökonomischen, politischen und kulturellen Faktoren über den (Miss-)Erfolg von Innovationen in der Gesellschaft. Internet und mobile Kommunikation faszinieren viele Leute: "Das reicht bis zu Phantomschmerzen, wenn sie ohne Handy oder Laptop unterwegs sind. Meine diesbezügliche Neugierde wird sogar honoriert, ein echtes Privileg."

Der Vater einer Tochter fährt gerne mit dem Motorrad, liebt Kunst, Reisen und Tauchen. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)

  • Michael Latzer übernimmt in Zürich eine Abteilung, die den Medienwandel analysiert.
    foto: öaw

    Michael Latzer übernimmt in Zürich eine Abteilung, die den Medienwandel analysiert.

Share if you care.