"Unregelmäßigkeiten gibt es nicht"

5. August 2008, 19:28
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Wer zahlt, wird gesendet: ORF-Sportchef über Unterschiede zu Hessens Rundfunk, wo der langjährige Sportchef 600.000 Euro über eine Sportagentur abgezweigt haben soll

Frankfurt/Wien - Jürgen Emig, der langjährige Sportchef des Hessischen Rundfunks, sagte Montag erstmals vor dem Landgericht Frankfurt aus. Untreue, Bestechlichkeit und Betrug werden ihm angelastet.

Rund 600.000 Euro soll Emig über eine Sportagentur, an der seine Frau still beteiligt war, abgezweigt haben. Von "Beistellungen" von Vereinen und Veranstaltern für Fernsehübertragungen. "Emig ist der Bestechlichkeit angeklagt, weil er Übertragungen sogenannter Randsportarten von derlei Zuschüssen abhängig gemacht haben soll", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" etwa über einen der Vorwürfe gegen den suspendierten Sportchef.

Übertragung gegen Geld, das Prinzip kennt man doch auch vom ORF und ORF Sport Plus. Von den Veranstaltern des Leichtathletikmeetings in Linz/Gugl etwa verlangte der Küniglberg wie berichtet einmal an die 50.000 Euro.

Wo der Anlassfall Emig heißt, muss ORF-Sportchef Hans Huber Grundsätzliches vorausschicken: "Unregelmäßigkeiten gibt es nicht" im ORF-Sport. Da könne man auch seinen Vorgänger, den heutigen Infodirektor Elmar Oberhauser, fragen. Der ist allerdings auf Urlaub.

Mehraufwand abgegolten

Die Causa Gugl erklärt Huber so: Der ORF wollte weniger berichten, doch der Veranstalter hätte für Eurosport ein Livesignal von mehreren Bewerben parallel gebraucht. Den Mehraufwand habe sich der ORF abgelten lassen.

Auch bei ORF Sport Plus sei das Prinzip Übertragung gegen Geld entgegen STANDARD-Infos "nicht gang und gäbe". Hubers Gegenargument: "Da gibt es ein Budget." Nur wenn Tage budgetär wie zeitlich belegt seien und etwa ein Veranstalter "zusätzlich etwas will", dann könnte das kosten. Volleyball, Handball, Tischtennis etwa "drängen hinein", sagt er. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 6.8.2008)

 

 

  • ORF-Sportchef Hans Huber.
    orf/ramstorfer

    ORF-Sportchef Hans Huber.

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