Eltern der Tierschützer demonstrieren

5. August 2008, 19:16
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Wollen mit Justizministerin über lange U-Haft ihrer Kinder sprechen: "Unerträglich"

Wien/Wr. Neustadt - Mittwochnachmittag wollen einige Eltern der inhaftierten Tierrechtsaktivisten mit Freunden und Verwandten vor dem Justizministerium auf die bereits mehr als drei Monate andauernde U-Haft ihrer Kinder aufmerksam machen. Mit im Gepäck werden sie einen Brief an Justizministerin Maria Berger (SP) haben, in dem sie die sofortige Enthaftung der Verdächtigen fordern.

Die Eltern wollen auch ein persönliches Gespräch mit der Ministerin führen. "Dabei soll sie uns diese unerträgliche Situation erklären", sagt eine der Mütter, Irene H., im Gespräch mit dem Standard. Sie bezeichnet den Vorwurf der Bildung oder Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation als "nebulos".

Ihr Sohn habe ihr erzählt, dass er in den Akten Protokolle von abgehörten Telefongesprächen gelesen habe, "mit Wörtern, die er so sicher gar nicht gesagt hat". Außerdem seien Zitate in indirekter Rede wiedergegeben, "was ich sehr bedenklich finde", sagt H. Ihr sei schleierhaft, warum nach monatelangem Abhören und Observieren noch immer keine konkreten Vorwürfe auf dem Tisch lägen.

Die fortgesetzte Einsperrung seines Sohnes sei "ein großer Schock" für ihn, sein Vertrauen in die österreichischen Behörden sei "erschüttert", meint auch Richard H., Vater eines weiteren der zehn Untersuchungshäftlinge. Dem 30-Jährigen wird vorgeworfen, für militante Tierschützer im Internet recherchiert und Programme eingerichtet zu haben.

"Ich kann nicht erkennen, was daran strafwürdig sein soll", sagt der Pensionist. Die Inhaftierung seines Sohnes wecke in ihm "Erinnerungen an die Flucht unserer ganzen Familie nach dem Putsch in Argentinien im Jahr 1976". Sein Sohn gehört der Basisgruppe für Tierrechte (BFT) an. Auf deren Homepage wird auf die Aktionen der militanten und international agierenden Animal Liberation Front (ALF) verwiesen. Die Auseinandersetzung mit dieser Art des Tierschutzes sei für ihn neu, sagt Richard H.

Irene H.s Sohn rechnet nicht vor November mit einer Enthaftung, obwohl der nächste Haftprüfungstermin für 11. September angesetzt ist. "Ich habe das Gefühl, dass über den Sommer nichts weitergeht", sagt die besorgte Mutter. Von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hieß es am Dienstag, in der Causa gebe es "derzeit nichts Neues". (bri, spri/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)

 

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