Büromöbel ohne Berührungsängste

5. August 2008, 20:03
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Neue Technologien, etwa in Schreibtischen integrierte Touchscreens, sollen den Arbeitsalltag erleichtern

Apples iPhone gibt den Weg vor: Multi-Touch-Eingabegeräte werden künftig den Alltag deutlich leichter gestalten. Nicht mehr per Tastatur wird das immer beliebter werdende Gerät bedient, sondern ganz einfach mit den Fingern, die das Display berühren. Langsam, aber sicher bahnt sich die Technologie nun auch ihren Weg in die Officewelt von Unternehmen. Microsofts "Surface" oder der "Entertaible" von Philips, beides Tische mit integriertem berührungsempfindlichen Bildschirm, sind die ersten Schritte auf dem Weg zu diesem Büro der Zukunft.

Genau daran arbeitet auch Michael Haller: "Die große Herausforderung für die Entwicklung solcher Oberflächen ist der intuitive und natürliche Umgang mit diesen Medien", sagt der Leiter des Projektes "Office of Tomorrow" an der FH Oberösterreich, Campus Hagenberg. Wichtig sei, dass die Anwendungen dabei so umgesetzt werden, dass im Prinzip keine Umgewöhnung für die Nutzer erfolgen muss, erklärt Haller.

Gemeinsam mit der voestalpine group-IT GmbH, dem Möbeldesigner Team 7, Nortel und AMS Engineering wurde bereits ein interaktiver Tisch gebaut. Flux (Fully Liberating User eXperience) ist fast beliebig in seiner Größe skalierbar, einfach zu bedienen und robust, sagt Haller. Das unterscheide ihn von den bereits erhältlichen interaktiven Möbeln, die alle eine, Hallers Meinung nach, deutlich zu kleine Bedienoberfläche haben. Zudem sei die Auflösung ihres interaktiven Tisches deutlich höher. Neben einem weiterentwickelten Flux gibt es im Office of Tomorrow auch noch interaktive Whiteboards, die mit einem Beamer kombiniert werden können.

"Wir wollten unsere traditionellen Meetings durch Technologieunterstützung effizienter gestalten", sagt Thomas Hofinger von der voestalpine group-IT GmbH. Seine Erfahrungen hätten gezeigt, dass in solchen Sitzungen immer noch Stift und Notizblock die größte Rolle spielen.

Handgeschrieben, digitalisiert

Zudem gäbe es immer Probleme, sagt Hofinger: "Entweder steht jemand direkt im Beamerstrahl, verdeckt das Flipchart, das Kabel der Maus ist zu kurz - oder die Infrarotverbindung unterbrochen." Damit aber noch nicht genug: Nach einer Sitzung musste man die Daten bisher auch noch per Hand digital aufbereiten. "Den Projektpartnern schwebte daher von Anfang an eine Lösung vor, bei der solche Notizen - ob nun auf Block oder Flipchart - direkt in ein elektronisch nutzbares Datenformat umgewandelt werden können", sagt er.

Damit das möglich wird, arbeiten Flux und seine Nachfolger mit einer Rückprojektionsfolie, die mit einem kaum sichtbaren Punktmuster bedruckt ist. Ein Stift mit integrierter Infrarotkamera kann die individuelle Punktabfolge eines Tischabschnitts erkennen und weiß so um seine genaue Position auf der Oberfläche. Auf diese Weise kann die digitale Oberfläche leicht zu Zeichenbrett, Diskussionstisch oder Präsentations- Whiteboard werden.

"Die Technik hat die Genauigkeit einer Maus", sagt Haller. "Und sie funktioniert auch auf Papier." Notizblöcke, die mit dem feinen Punktmuster bedruckt sind, ermöglichen die Datenerfassung von herkömmlich Geschriebenem in Echtzeit. Der Stift für diese Anwendung hat neben der Infrarotkamera eine normale Kugelschreibermine und einen Drucksensor.

Auch Schmiereffekte, die eine Erfassung bisher erschwerten, können auf diese Weise sicher erkannt werden. Die Daten aus dem Stift werden schließlich mittels Bluetooth an einen PC weitergeleitet, der wiederum die Daten auf Tisch oder Whiteboard darstellt und sie automatisch in einem Word-Dokument speichert.

Theoretisch und praktisch lassen sich Tisch und Whiteboard im Office of Tomorrow wie auch beim iPhone mit Handfläche und Fingern bedienen. "Nur: In einem seriösen Meeting will kein Manager wie ein kleines Kind auf einem Tisch herumpatschen", sagt Haller. Daher sei man auf die Lösung mit den bereits etablierten digitalen Stiften gekommen.

"Die Technologie erleichtert unseren Alltag enorm", meint Hofinger. Und vielleicht spart man sogar noch zusätzlich die eine oder andere Zusammenfassungs-E-Mail. Denn: "So präsentiert, merkt man sich die Inhalte einfach besser." (Denis Dilba/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)

  • Schreiben, zeichnen, direkt auf dem Schreibtisch.
    foto: www.officeoftomorrow.org

    Schreiben, zeichnen, direkt auf dem Schreibtisch.

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