Geforscht wird noch zu Hause

5. August 2008, 20:04
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Wenige heimische Unternehmen wagen in Sachen F&E den Schritt nach China

"2004 haben wir unseren dritten China-Standort eröffnet", erzählt Manfred Holzschuh, CFO bei Egston. Das Unternehmen mit Firmensitz in Eggenburg, NÖ, hat 1100 Mitarbeiter und stellt induktive Bauelemente, Kabelsysteme, Netz- und Ladegeräte, unter anderem für die Automobilindustrie, her.

Was veranlasst ein mittelständisches Unternehmen aus dem Waldviertel, einen Teil der Produktion in einen Technologiepark in Zhuhai, ins östliche China, zu verlagern? "Wir folgen unseren Kunden", ist die pragmatische Antwort Holzschuhs. Als Zulieferbetrieb großer Konzerne, etwa Siemens oder Liebherr, sei dies ein logischer Schritt gewesen. Forschung werde allerdings weiterhin in Österreich betrieben.

Die Forschung bleibt im Heimatland - das ist auch die Erkenntnis einer Studie des Unternehmensberaters Roland Berger - Globalisierungstendenzen gibt es hingegen bei der Entwicklung. Noch spiele für Österreich in diesem Zusammenhang vor allem Osteuropa eine große Rolle. China rangiert auf den hinteren Plätzen. Es könnte aber in den kommenden Jahren für österreichische Unternehmen interessanter werden, prognostiziert Roland-Berger-Partner Rupert Petry.

Ausnahmen sind die Regel

Allerdings hätten derzeit nur rund fünf Prozent aller heimischen Unternehmen einen Forschung-und-Entwicklung-Standort in Fernost. Eine davon ist die Klosterneuburger Firma Electrovac, die seit 2004 eine F&E-Niederlassung im Science Park Hongkong unterhält. 2006 kam schließlich eine Produktionsstätte in Zhuhai hinzu.

Auch hier waren die Kunden ausschlaggebend für den Gang nach China, erklärt Ernst Hammel, Leiter Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen entwickelt Technologien zur Verbindung unterschiedlicher Materialien zu Werkstoffen mit hohen Temperaturwechselbeständigkeiten - Materialforschung ist deshalb das Um und Auf. "In diesem Zusammenhang bietet der Science Park alle Möglichkeiten zur Forschung", erklärt Hammel, der die Zusammenarbeit mit den Chinesen "auf einem guten Weg" sieht. Schließlich habe man schon gemeinsame Patente eingereicht.

In einem Technologiezentrum in der Nähe von Schanghai werden Diesel- und Benzinmotoren entwickelt. Federführend dabei: der Motoren- und Testsystemhersteller AVL List. Die Grazer sind, was die geschäftlichen Beziehungen mit China angeht, alte Hasen. Schon seit rund 33 Jahren wird kooperiert. 1995 wurde ein Büro in Schanghai eingerichtet, 1999 folgte ein Joint Venture in Xiamen, 2000 die Eröffnung eines Technical Centers in Peking.

Das gute Verhältnis zu China ist nicht zuletzt auf den Gründer der AVL List zurückzuführen: Hans List lebte von 1926 bis 1932 in China, lehrte an der Tongji-Universität in Woosung, wo er auch den Ehrendoktor erhielt. (max/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)

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