Atomenergiebehörde bekommt neue Labors

5. August 2008, 18:59
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Nach dem Atomvorfall in Seibersdorf soll nun ein Neubau der Labors forciert betrieben werden. Die Republik will für den 27-Millionen-Euro-Bau ein Grundstück bereitstellen

Wien/Seibersdorf - Der Vorfall auf dem Gelände der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO in Seibersdorf - eine Plutonium-Laborflasche platzte in der Nacht von Samstag auf Sonntag - ist unter Kontrolle, wie die Behörden sich zu versichern beeilen. Im Hintergrund aber wird dadurch die Diskussionen darüber frisch entfacht, wie die Zukunft der UN-Behörde im Allgemeinen und die des Laborbetriebs im Besonderen weitergehen soll.

Die Zeichen stünden mittlerweile gut, dass es für den Laborbetrieb zu einem Neubau kommt, erklärt der zuständige Botschafter im Außenministerium, Ernst-Peter Brezovszky. Dem Außenministerium gehe es um eine Grunderneuerung des aus den 70er-Jahren stammenden Baus. Auch der Eigentümer von dem Grund und Boden, auf dem die Labors der Atomenergiebehörde stehen - die Austrian Research Centers - hätten Zustimmung signalisiert. "Wir sind mit dem Eigentümervertreter von Seibersdorf, Hannes Androsch, und mit der Seibersdorf-Geschäftsführung in intensivem Kontakt."

Ein Neubau der Labors der Atomenergiebehörde sei angesichts des veralteten Baubestandes der einzig mögliche Weg, erklärt Brezovszky dem Standard. Allerdings steht die Finanzierung - rund 27 Millionen Euro sind dafür veranschlagt - noch in den Sternen. Bei der kommenden Generalversammlung der Atomenergiebehörde Ende September in Wien sollen die knapp 150 Mitgliedstaaten darauf eingestimmt werden, die Geldbörse aufzumachen.

Österreich will jedenfalls seinen Beitrag dafür leisten, erklärt Brezovszky. Die Austrian Research Centers verfügen auf dem Gelände von Seibersdorf über genügend Platz für einen Neubau, erklärt er. Schon bisher hat die Republik über die ARC das Grundstück samt Gebäuden um einen Jahresmietpreis von einem symbolischen Euro der IAEO zur Verfügung gestellt. Zu zahlen hat die Atomenergiebehörde - und dies seit Inbetriebnahme der Labors Anfang der 70er-Jahre - lediglich anteilige Betriebskosten.

Sicherheitsrisiko

Schon im November des Vorjahres, anlässlich der letzten IAEO-Generalversammlung hatte deren Chef, der Nobelpreisträger Mohamed ElBaradei, kritisiert, dass die Atomenergie-Labors in Seibersdorf, einem Dorf südlich von Wien, mittlerweile ein Sicherheitsrisiko und ein leichtes Ziel für Terroristen seien. Die Mitarbeiter müssten mit altem Gerät in nie renovierten Gebäuden schwierige Versuche machen. Aufgabe des Labors ist es, routinemäßig winzig kleine Proben aus Atomreaktoren weltweit zu analysieren und dann in Safes aufzubewahren.

Für die Atomenergiebehörde ist der Wunsch nach einem modernen Labor einer von mehreren Forderungen an die "internationale Staatengemeinschaft", weshalb ElBaradei eine Einmalzahlung von 80 Millionen Euro fordert, die 27 Millionen für ein Labor inkludiert. Eine solche Einmalzahlung sollte es möglich machen, die Atomenergiebehörde zu den Aufgaben hinzuführen, die im Zukunftspapier "IAEA 2020 and Beyond" definiert sind, erklärt der Pressesprecher der Atomenergiebehörde, Ayhan Evrensel. Dieses Papier sieht etwa wesentlich mehr Untersuchungen bei Nuklearanlagen und Atomkraftwerken weltweit vor. Auch erwarten alle Studien, dass Atomkraft als Energieform zunehmen wird - und zwar bis 2050 um ein Drittel, was wiederum künftig mehr Sicherheitsüberprüfungen notwendig machen wird.

Das Budget der Internationalen Atomenergieagentur beträgt für das nächste Jahr 296 Mio. Euro/Dollar (die IEAO unterscheidet dies nicht in ihren Budgets). Die USA sind mit rund 100 Millionen jährlich der größte Zahler - und im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen der Vereinten Nationen auch nicht mit den Zahlungen säumig.

Die UN-Nahrungs- und Lebensmittelbehörde FAO, die sich bei dem Seibersdorfer Labor der IAEO eingemietet hat und dieses Arrangement aufkündigen wollte (der Standard berichtete), hat dieses Ansinnen vorläufig hintangestellt. Die FAO, die ebenfalls Nuklearforschung in Seibersdorf betreibt (etwa für Saatgut) und sich dies jährlich 2,2 Mio. Euro kosten lässt, will dort noch 2009 forschen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)


  • Hat Seibersdorf öffentlich kritisiert: ElBaradei.
    foto: epa

    Hat Seibersdorf öffentlich kritisiert: ElBaradei.

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    70er-Jahre-Charme außen wie innen. Die Labors der Atomenergiebehörde, auf dem Boden der Austrian Research Centers angesiedelt, benötigen dringend eine Rundumerneuerung.

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