Musiktheater Linz: Gemeinsamer Nenner

5. August 2008, 18:38
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Mit dem allerkleinsten gemeinsamen Nenner kann man keine ernsthafte Politik manchen - Von Kerstin Scheller

Treffender hätte die von Filmemacher Andreas Gruber unternommene Analyse der politischen Lage in seinem Heimatland Oberösterreich nicht ausfallen können. Mit dem "allerkleinsten gemeinsamen Nenner kann man keine ernsthafte Politik manchen", meinte er am Montag im STANDARD. Der Beweis wurde prompt geliefert: der neuerliche Ärger um das überfällige neue Landesmusiktheater in Linz. Das Land Oberösterreich will den Bau des "Theaters im Park" mit dem betrauten Architekten nicht bis zum Ende durchziehen.

Das Siegerprojekt des internationalen Wettbewerbs gefällt weder der roten Stadt Linz noch dem schwarzen Land. Der Unmut im Nachhinein konnte nur aufkommen, weil die Geschichte vom gemeinsamen Nenner für ein neues Haus prolongiert wurde. Denn die Linzer Oper hätte schon längst stehen sollen, allerdings nicht als "Theater im Park", sondern als "Oper im Berg". Die FPÖ verhinderte vor acht Jahren den "Prunkbau" mit einer Volksbefragung. Es folgten mühsame Jahre des Suchens nach einem neuen Standort. Der politisch gefundene Kompromiss: auf der Blumau in der Linzer Innenstadt.

Als am Ende des Architektenwettbewerbs durchdrang, die Jury favorisiere das teuerste Projekt, stieg Landeshauptmann Josef Pühringer wieder auf die Bremse, weil es "ökonomisch nicht vertretbar" sei. Das war jedoch Terry Pawsons Entwurf. Doch scheute sich das Land erneut vor einer klaren Entscheidung, die Frage nach der Fassadengestaltung wurde aufgeschoben. Der Preis für den gemeinsamen Nenner: eine vermutlich Millionen betragende Abschlagszahlung für einen renommierten Architekten - kein Renommee für ernsthafte Politik. (Kerstin Scheller, DER STANDARD/Printausgabe, 06.08.2008)

 

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