Zeitstrafen für Strache & Co

5. August 2008, 18:12
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Politikerinterviews in Wahlzeiten sind eine der schwierigsten Disziplinen des Journalismus, einer Nanga-Parbat-Besteigung bei Nebel nicht unähnlich

Moderatoren, bleibt stark! Lasst euch nicht ablenken, nicht provozieren, nicht aus der Ruhe bringen, nicht schwindeligquatschen! Wenn einer der Studiogäste eine klar gestellte Frage nicht beantwortet, stellt sie noch einmal und notfalls ein drittes Mal! Diese Botschaft sollte die ORF-Führung bei seinen Interviewern in den "ZiBs", "Reports", "Pressestunden" etc. ganz fest deponieren wie einst Tormannlegende Oliver Kahn seinen Spickzettel für Jens Lehmann vor dem Elferschießen im Viertelfinale bei der Fußball-WM 2006.

Damit Politikerselbstentlarvungen möglich werden wie jene, die Armin Wolf in der "ZiB 2" am Dienstag mustergültig vorgeführt hat. "Seltsame Presseaussendungen" der FPÖ über die angebliche Homosexualität Jörg Haiders? "Aber bitte, Herr Wolf, ich doch nicht", säuselte Strache, niemals würde er so was machen - um nur wenige Sekunden später zu trommeln, dass "wir ja gegen die Homo-Ehe eintreten, wir sagen Nein ..." und so fort.

Nachfrage Wolf: "Wie tief kann es werden im Wahlkampf?" Strache: "Dass Sie das hier für den Rotfunk in eine Richtung lenken wollen, das verstehe ich ... Sie versuchen ein Duell herbeizureden", geiferte der FPÖ-Chef, um sogleich auf die angeblichen Sonderleistungen seiner Partei bei den nahenden Wahlen zu kommen. Danke, Herr Strache, wir haben verstanden.

Politikerinterviews in Wahlzeiten sind vermutlich eine der schwierigsten Disziplinen des Journalismus, einer Nanga-Parbat-Besteigung bei Nebel nicht unähnlich. Umso wichtiger wäre es, wenn Politikern strenge Regeln auferlegt werden. Notfalls Zeitstrafen, bitte! (tom/DER STANDARD; Printausgabe, 6.8.2008)

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    "Sie versuchen ein Duell herbeizureden", geiferte der FPÖ-Chef.

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