Doppelt gemoppelt oder einmal gefoppt

5. August 2008, 18:04
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Die angeblich marode Trainerlehre, die Aus­hungerung der Bewegungskultur und politische Scheinlösungen

Wien - Der Fachhochschullehrgang "Training und Sport" in der Südstadt ist ein gutes Beispiel für die untauglichen Versuche, die strukturellen Schwächen des heimischen Spitzensports auszumerzen. Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka bezeichnete den vom Wissenschaftsministerium und dem Land NÖ finanzierten sechssemestrigen Lehrgang als "Qualitätssprung für die Trainerausbildung" . Klingt gut, bringt schöne Pressefotos mit dem FH-Propagandisten und Handball-Professionisten Gunnar Prokop, der sich in der Südstadt breiter und breiter macht, während der Leichtathletikverband seit Jahren auf eine Halle wartet.

"Wir brauchen keine neue Institution, wo wieder nur unsere Fachleute unterrichten wie Werner Schwarz, Erwin Reiterer, Manfred Zeilinger" , sagt Johann Gloggnitzer, Präsident des Leichtathletikverbandes (ÖLV), Chef der Bundes Sport Akademie (BSPA) für die nicht-akademische Ausbildung von Trainern und Lehrwarten. Als Gründungsmitglied des Spitzensportausschusses (1988), der auf das olympische Desaster in Seoul reagierte, und als Chef der Trainerausbildung kennt er die Infrastruktur des Spitzensports.

Politischer Aktionismus à la Lopatka schade nur, so Gloggnitzer: "Heute werden kaum mehr Strukturen gefördert und gesponsert, sondern Sportler und Events." Sponsoren wandern von Verbänden zu erfolgreichen Sportlern ab. Die sind billiger und versprechen bessere Werbung. "Erfolg wird personalisiert, Misserfolg institutionalisiert."
Die angeblich mangelnde Qualität der heimischen Betreuer sei nicht auf schlechte Ausbildung zurückzuführen, so Gloggnitzer, sondern auf mangelnde Jobs, in denen gute Trainer sich entwickeln können: "Die Uefa hat unsere Trainerausbildung in die höchste Kategorie gereiht."

Um die Sponsorflucht zu kompensieren, müsse die öffentliche Hand einspringen. Landauf landab laufen den Sportvereinen qualifizierte Betreuer davon, weil keine Aussicht auf Entlohnung besteht. Dagegen steht immer mehr spezielle Förderung für Spitzentalente und olympische Hoffnungen.
Der ÖLV (Budget: 900.000 Euro, so viel wie ein Landesliga-Fußballverein) hat zwei Dienstposten für hauptamtliche Nachwuchstrainer, die sich drei Männer teilen. Bayerns LA-Verband beschäftigt sechs hauptamtliche Betreuer, die vom Kultusministerium bezahlt werden.

"Seit Barcelona 1992 sinkt die Teilnehmerzahl von Österreichern bei Sommerspielen. Anscheinend haben andere auch strukturelle Probleme, nicht nur die Leichtathleten." Der Reformüberhang sei dramatisch, so Gloggnitzer, eine Umverteilung der Fördergelder sei überfällig, der Fußballverband beispielsweise erhalte viel zu viel. Kernproblem: Die drei Dachverbände Askö, Sportunion und Asvö, die durch ihre Nähe zu Parteizentralen eine einige Reformbewegung blockierten. Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) kürzte die Turnstunden, die Bewegungsausbildung der Jugend wird ruiniert und sachfremde Sportpolitiker betreiben medienadäquate Augenauswischerei. Ein Teufelskreis. Gloggnitzer: "Das Bewegungsprofil unserer Kinder wird schlechter. Das Bildungssystem hat versagt, die Eltern müssten sich endlich wehren." (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 6.8. 2008)

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