Ölpreise sinken - Spritpreise steigen

5. August 2008, 19:04
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Die Ölpreise erreichten erneut ein Drei-Monats-Tief, einzelne Tankstellen in Österreich erhöhen aber trotzdem ihre Spritpreise

Frankfurt/Wien - Die Ölpreise erreichten am Dienstag neuerlich ein Drei-Monats-Tief: Ein Barrel Öl der US-Sorte WTI (159 Liter) kostete zeitweise 118 Dollar (am 11. Juli notierte das Fass bei mehr als 147 Dollar).

Sollten in Zukunft weitere Daten auf eine fallende Nachfrage durch weltweite Konjunkturabschwächung hindeuten, könnte der Ölpreis laut internationalen Rohstoffanalysten von schon bald wieder in Richtung 100 Dollar fallen. Naturereignisse wie der Tropensturm "Eduardo" oder geopolitische Spannungen (Iran-Atomstreit) verschwanden aus dem Fokus der Händler.

Der in Österreich laut gewordene Vorwurf, dass sich Ölpreissteigerungen sofort, Ölpreissenkungen über die Umwege der internationalen Treibstoffbörsen allerdings nur mit Verzögerung, wenn überhaupt, auf die hiesigen Spritpreise auswirken, ist mitunter eines der zentralen Wahlkampfthemen. Über die "Rechtmäßigkeit" von Spritpreisänderungen gibt es nach wie vor unterschiedliche Aussagen: Der ARBÖ berichtet, dass sich Dienstag früh die Spritpreise - für die SP-nahe Autofahrerorganisation "auf unerklärliche Weise" - wieder in die Höhe bewegt hätten, und zwar auf 1,292 Euro pro Liter für Eurosuper und auf 1,348 Euro pro Liter für Diesel. Am Montag noch lagen laut ARBÖ die Preise bei 1,274 Euro für Eurodiesel sowie bei 1,341 Euro für Diesel. Ein ARBÖ-Sprecher sieht eine unverhältnismäßige Teuerung.

Elisabeth Brugger-Brandau vom ÖAMTC sprach hingegen von "einzelnen Stationen, die ihre Preise stark erhöhen" und so den Durchschnittspreis verzerrten. Christoph Capek, Geschäftsführer des Fachverbandes der Mineralölindustrie, wollte sich nicht zu den stark unterschiedlichen Tagespreisen äußern und verwies auf den wöchentlich veröffentlichten Preisindex der EU-Kommission.

Wie berichtet, hat sich auch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) eingeschaltet, alarmiert durch eine vergleichende Untersuchung, beruhend auf Daten von ÖAMTC und ARBÖ und der jeweiligen Spotpreise für Treibstoffe an der Produktenbörse Rotterdam ("Platts-Notierungen" ). Aufgrund einer Asymmetrie in der Weitergabe von Preissenkungen und Steigerungen vermutet die BWB "abgestimmtes Verhalten" der Ölmultis in Österreich. Bis 18. August sind die Mineralölfirmen, die ja ansonsten keiner Offenlegungspflicht unterliegen, dazu aufgerufen, Stellung zu der kursierenden "Spritverwirrung" zu beziehen. Am 21. August sollen dann im Rahmen einer Monitorgruppe Mineralölfirmen, Regierungsvertreter sowie Sozialpartner aufeinandertreffen. (aol, Reuters,  DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)

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    Noch spürt man an der Tankstelle wenig von fallenden Ölpreisen.

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