Bertelsmann dreht Ton ab

5. August 2008, 17:42
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Der deutsche Medienkonzern steigt aus der Musikbranche aus, Partner Sony übernimmt

Gütersloh/Tokio - Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann trennt sich von seinem Anteil an dem Musik-Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG. Der 50-Prozent-Anteil gehe an den bisherigen Partner Sony, teilten Bertelsmann und Sony am Dienstag gemeinsam mit. Beide Unternehmen hatten Sony BMG im August 2004 gegründet, unter Einbeziehung von bekannten Sublabels wie Arista und Zomba. Künftig solle die Firma nun unter dem Namen Sony Music Entertainment Inc. (SMEI) firmieren. Zu den Künstlern im Repertoire zählen Justin Timberlake, Celine Dion, Usher, Beyoncé, Foo Fighters,AC/DC und Bruce Springsteen.

Im Rahmen der Neuordnung des Gütersloher Medienkonzerns will der neue Chef Hartmut Ostrowski Bertelsmann von Geschäften befreien, die wiederholt ihre Ziele verfehlt haben. Sony BMG schaffte nie die Ziele, die vorgegeben worden sind. Ostrowski hatte bereits die Trennung von einer Reihe von Buchclubs angekündigt.

Sony bezahlt für den Bertelsmann-Anteil rund 900 Millionen Dollar, zusätzlich soll der deutsche Konzern noch 300 Mio. an Cash aus der Bilanz von Sony BMG erhalten, was den Deal ungefähr 1,2 Milliarden Dollar schwer macht (rund 775 Millionen Euro). Die neue Sony Music Entertainment Inc. - Nummer zwei unter den Musikmultis nach Vivendi Universal - wird eine Tochterfirma von Sony Corporation of America. Der Deal muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Die gesamte Musikbranche unterliegt seit langer Zeit einem Strukturwandel. Der Verkauf von CDs und DVDs verliert stetig an Marktanteilen. Vergangenes Jahr brach der globale Musikabsatz um sechs Prozent ein. Insgesamt setzt die Branche noch 29,9 Milliarden Dollar um. 2000 waren es noch rund 40 Milliarden.

Bereits vor zwei Jahren hatte Bertelsmann sich von seinem Musikverlag BMG Music Publishing getrennt. (Reuters, dpa, red, DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)

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