Grazer Musicalchefin behielt irrtümliches Fördergeld

5. August 2008, 15:43
posten

Geschäftsführerin des Festivals zahlte fälschlich überwiesene Fördergelder in der Höhe von 50.000 Euro nicht zurück

Graz - Die Ex-Intendantin des Musical Festivals Graz, Brigitta Thelen, hat sich am Dienstag am Grazer Straflandesgericht wegen Unterschlagung verantworten müssen. Sie hatte 2007 irrtümlich doppelt überwiesene Fördergelder der Stadt Graz nicht zurückgezahlt, sondern damit offene Rechnungen beglichen. Anschließend ging ihre Gesellschaft in Konkurs. Sie bekannte sich für nicht schuldig. Der Prozess wurde zwecks weiterer Zeugeneinvernahmen vertagt.

Der frühere Kulturstadtrat Werner Miedl habe Thelen 2007 Förderungen von insgesamt 100.000 Euro zugesichert. Im Juni kam es dann zu zwei Überweisungen zu je 50.000 Euro innerhalb einer Woche durch eine Abteilung der Stadt Graz. Kurz darauf meldete sich eine Beamtin bei der Geschäftsführerin und erklärte den Irrtum: Das Geld sei doppelt überwiesen worden und Thelen müsse die zweiten 50.000 Euro zurückzahlen. Von der Abteilung sei ihr zweimal Aufschub gewährt worden, erklärte Thelen vor Gericht.

Widerstands auf kommunalpolitischer Ebene

Nach dem Festival stellte sich aber heraus, dass rote Zahlen geschrieben wurden und die fälschlicherweise überwiesenen 50.000 Euro nicht zurückgezahlt werden können. Auch die von Miedl zugesicherten zweiten 50.000 Euro konnte er wegen des politischen Widerstands auf kommunalpolitischer Ebene nicht zur Verfügung stellen. Im Dezember 2007 stand schließlich fest, dass es eine Fortsetzung des Festivals nicht mehr geben werde. Thelen musste Konkurs anmelden, da seitens der Stadt Graz keine Fördergelder mehr zugesichert werden konnten.

Die doppelt überwiesenen 50.000 Euro seien für offene Rechnungen aufgegangen, meinte die Geschäftsführerin. "Mit dem Aus für das Festival habe ich niemals gerechnet. Ich wollte das Geld von den Förderungen für das nächste Jahr bezahlen," versicherte die Angeklagte. Sie sieht sich als Opfer der Stadtpolitik. Der aus dem Herberstein-Prozess bekannte Anwalt Peter Bartl betonte die "kaufmännische Sorgfalt" seiner Mandantin sowie den Erfolg des Festivals im August 2007. Richterin Karin Kohlroser vertagte den Prozess bis höchstwahrscheinlich Oktober, da noch weitere Zeugen - darunter auch Miedl - für die Beweisaufnahme gehört werden sollen. (APA)

Share if you care.