"Untragbar" - Scharfe Kritik an Hahns UG-Entwurf aus Linz

5. August 2008, 14:46
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Senatsvorsitzender moniert "bedenklichen Rückschritt in der Uni-Autonomie" durch vorgeschlagene Unigesetz-Novelle

Linz - In einer Aussendung kritisiert der Senatsvorsitzende der Johannes Kepler Universität in Linz den Entwurf zur Novelle des Universitätsgesetz 2002. Vor allem jene Regelungsbereiche werden abgelehnt, "in denen einschneidende Verschiebungen von Kompetenzen bei Leitungsorganen vorgesehen sind, die Fremdbestimmung gefördert und ministerielle Steuerungsinstrumente eingeführt werden", so Senatsvorsitzender Urbaan M. Titulaer.

Konkret betreffe dies die Entmachtung des Senats, die Stärkung des Universitätsrats und den Ausbau der ministeriellen Einflussnahme insbesondere in Budgetfragen.

Autonomie stärken

"Das Ziel, die Autonomie der Universitäten zu stärken, ist in diesem Entwurf nicht zu erkennen", sagt Titulaer. Das Gegenteil sei der Fall: Die vorgeschlagenen Regelungen bedeuteten einen bedenklichen Rückschritt in der Weiterentwicklung der Autonomie. Vor allem die Stärkung des Universitätsrats, insbesondere in Bezug auf die Wahl des Rektors, wird kritisiert. Sie führe immer zu einer Fremdbestimmung der Universitäten, dies hätten auch Beispiele aus dem Ausland gezeigt.

Titulaer: "Untragbar"

Gleichzeitig werde der Senat in der Mehrzahl seiner Agenden völlig entmachtet. "Das ist untragbar", so Titulaer immerhin sei der Senat das einzige leitende Organ, in dem jene Personen vertreten sind, die mit den Kernaufgaben einer Universität vertraut sind. Mit der Rektorwahl, so wie sie derzeit geregelt ist, könne er gut leben.

Keine "Extrahürden" für StudentInnen


Den von Wissenschaftsminister Johannes Hahn vorgeschlagenen "qualitativen Zugangsbeschränkungen" stimmt Titulaer nur teilweise zu. Wenn etwa Studierende ein Master-Studium belegen wollen, das von ihrem Bachelor-Fach deutlich abweicht, sollten gewisse Vorkenntnisse vorausgesetzt werden können. "Man kann kein Masterstudium in Biophysik machen, ohne an Bio gerochen zu haben", bringt Titulaer seine Vorstellungen im Gespräch mit derStandard.at auf den Punkt. Gegen generelle "Extrahürden" spricht er sich jedoch entschieden aus. (red/derStandard.at, 5. August 2008)

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