Krisensitzung nächste Woche

5. August 2008, 19:50
posten

Der deutsche Wälzlagerhersteller Schaeffler hat eine Bedingung aus der Unterlage für das 11 Milliarden Euro schwere Conti-Übernahmeangebot gestrichen

Hannover/London - Der deutsche Wälzlagerhersteller Schaeffler hat eine Bedingung aus der Unterlage für das 11 Mrd. Euro schwere Conti-Übernahmeangebot gestrichen. Das Angebot gilt nunmehr auch dann, wenn Conti während der Frist zur Annahme des Angebots eine Kapitalerhöhung ankündige, heißt es in dem am Dienstag im Internet veröffentlichten Änderung. Eine Kapitalerhöhung würde die Übernahme für Schaeffler verteuern.

Die Schaeffler-Gruppe unter Führung der in Prag geborenen und in Wien aufgewachsenen Milliardärin Elisabeth Maria Schaeffler finanziert ihre geplante Übernahme des Autozulieferers Continental Bankkreisen zufolge mit einem Kredit über 16,1 Mrd. Euro. Die von den sechs arrangierenden Instituten garantierte Summe decke neben dem Kaufpreis auch Kosten für die möglicherweise nötige Refinanzierung von Conti-Schulden ab, sagte ein beteiligter Banker. Bei einem Treffen am Freitag sollen wichtige Hausbanken von Schaeffler dazu gebracht werden, 700 Mio. Euro davon zu übernehmen.

Den Bankkreisen zufolge ist geplant, den größten Teil des Kredits weiterzuverkaufen. Eine kleine Tranche bleibe in den Büchern der arrangierenden Banken Royal Bank of Scotland, HVB, Dresdner Kleinwort, LBBW, UBS und Commerzbank. Schaeffler stößt mit seinem schweren Angebot auf erbitterten Widerstand der Conti-Führung.

Conti arbeitet an Abwehr

Continental arbeitet unterdesen mit Hochdruck an einer Abwehr der drohenden Übernahme. Der Conti-Aufsichtsrat soll in der kommenden Woche zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Das Treffen sei am nächsten Mittwoch (13. August) geplant, verlautete am Dienstag aus Branchenkreisen. Dabei wolle der Vorstand mögliche Abwehrmaßnahmen erläutern. Conti ist derzeit auf der Suche nach einem "weißen Ritter", einem freundlich gesonnenen Großinvestor. In Branchenkreisen wurden Medienberichte bestätigt, nach denen es eine "Handvoll Interessenten" gibt.

Mit der Änderung des Übernahmeangebots hat die Schaeffler-Gruppe am Dienstag verhindert, dass das Angebot möglicherweise erlischt. Dabei geht es vor allem um eine mögliche Kapitalerhöhung von Conti. In Branchenkreisen hieß es, Schaeffler habe damit einen "schweren handwerklichen Fehler" korrigiert.

Schaeffler verzichtete etwa auf die in der bisherigen Angebots-Unterlage genannte Bedingung, dass der Conti-Vorstand bis zum Ablauf der Annahmefrist "keine Durchführung einer Kapitalerhöhung auf Grundlage eines genehmigten Kapitals" anmeldet. Wie Schaeffler in Herzogenaurach mitteilte, trat das Unternehmen "Marktspekulationen" entgegen, dass das Angebot an die Conti-Aktionäre durch die Vorbereitung einer Kapitalerhöhung behindert werden könnte. Schaeffler weise jedoch ausdrücklich darauf hin, dass das Angebot unverändert unter der Bedingung stehe, dass Conti bis zum Ablauf der Annahmefrist am 27. August keine Kapitalmaßnahmen vollziehe.

Keine Kapitalmaßnahmen

Die Schaeffler-Gruppe als größter Conti-Aktionär halte solche Kapitalmaßnahmen für unvertretbar, da sie die Interessen der Aktionäre verletzen würden. Vor dem Hintergrund von Zusagen Schaefflers seien Vorstand und Aufsichtsrat von Conti gesetzlich verpflichtet, auf Maßnahmen zu verzichten, die lediglich der Abwehr des Angebotes dienten und den Aktionären die freie Entscheidung über die Annahme des Angebotes zu nehmen versuchten. Schaeffler hatte unter anderem zugesagt, dass Conti nicht zerschlagen werden solle.

Der Übernahmekampf wird damit zunehmend zu einem Fall von Juristen. Zu den Optionen von Conti bei der Abwehr einer Übernahme zählt neben der Suche nach einem "weißen Ritter" auch eine Kapitalerhöhung, um die Übernahme zu erschweren. Die Conti-Hauptversammlung im April 2008 hatte eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent grundsätzlich genehmigt.

Schaeffler hatte am vergangenen Mittwoch ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt. Mitte der nächsten Woche läuft die übliche Frist von zwei Wochen für eine Stellungnahme von Conti zum Angebot ab. Die Conti-Führung hatte den von Schaeffler angebotenen (bereits einmal erhöhten) Preis von 70,12 Euro pro Aktie bereits strikt abgelehnt.

Strategischer Großaktionär

Der DAX-Konzern Continental aus Hannover mit derzeit rund 150.000 Beschäftigten weltweit hatte einen deutlich höheren Preis und eine Begrenzung der Schaeffler-Beteiligung auf 20 Prozent gefordert. Das wesentlich kleinere Familienunternehmen Schaeffler aus Herzogenaurach dagegen hatte das Ziel bekräftigt, mehr als 30 Prozent der Anteile zu erwerben und damit ein strategischer Großaktionär bei Continental zu werden.

Schaefflers halten bereits acht Prozent der Aktien. Zudem hat sich das Unternehmen über Swap-Geschäfte, Tauschgeschäfte, den Zugriff auf 28 Prozent der Conti-Anteile gesichert. Aus Sicht von Conti war das Vorgehen aber rechtswidrig, weil Meldepflichten umgangen worden seien. Conti verlangt, dass die Finanzaufsicht BaFin die Swap- Geschäfte untersagt. Schaeffler hält das Vorgehen für legal. (APA/Reuters/dpa)

Share if you care.