"Nicht völlig blauäugig" nach Peking

6. August 2008, 12:21
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Bisher hat der ORF-Sport in Peking noch keine Zensur wahrgenommen - Sein China-Studio steht auf dem Küniglberg - 250 Stunden live

Wien/Peking – 250 Stunden wird der ORF von den Olympischen Spielen aus Peking und aus dem Hauptstudio in Wien über die Ereignisse berichten. Kritisch, verspricht Sportchef Hans Huber, und "nicht völlig blauäugig". Nachsatz: Bisher hätten seine Mitarbeiter noch keine Probleme mit Zensur gehabt – oder wahrgenommen.

Zwischen 3.30 und 17.30 Uhr

Huber hofft, dass die Menschen "wie bei Muhammad Ali in der Nacht aufstehen, um die Kämpfe vor dem Fernseher zu verfolgen". Wegen der Zeitverschiebung überträgt der ORF ja "nicht publikumsfreundlich" zwischen 3.30 und 17.30 Uhr, Zusammenfassungen folgen um 19.10 Uhr.

Der ORF plante ein großes Sportstudio in Peking, Kostenpunkt laut Sprecher Pius Strobl: 450.000 Euro. Nun steht eines auf dem Küniglberg. Für 150.000, bestätigt Strobl STANDARD-Infos. Dass, wie gerüchtet wird, ein Betrag in dieser Höhe wegen der Umplanung auch für Stornos anfiel, nennt er eine "Mystifikation": "Es gibt keine Stornos." Strobl grundsätzlich: "Wie immer arbeiten wir ausgesprochen sparsam." Zudem sei das Studio in Wien unabhängiger von chinesischen Satellitenleitungen.

ORF-HD über Satellit und UPC

Das Sportstudio glänzt vor Statuen, Schriftzeichen und Mustern im China-Style. Mit zwei großen HD-Bildschirmen soll der ORF während der Sendung live nach Peking schalten können. Übertragung in hochauflösender Technologie auf ORF-HD versteht sich, seit die Anstalt ihren eigenen HD-Kanal betreibt. Zu sehen ist der über Satellit und etwa im digitalen Kabelnetz der UPC. Nur als EU-Pilotprojekt können 500 angemeldete Kunden von aon.tv interaktiv auf vier Kanälen ihre Perspektive auf die Spiele aussuchen.

Im gewohnten Fernsehen (und in HD) liegt der Schwerpunkt der ORF-Berichterstattung naturgemäß auf Österreichs Medaillenhoffnungen. "Bei allen wichtigen Entscheidungen" soll das Publikum "live dabei sein" – jedenfalls dabei sein können. Ein "fliegendes Team" wird die österreichischen Athleten begleiten und Live-Interviews führen.

Will "gut aussteigen"


Als Gastgeber im Sportstudio wechseln einander Oliver Polzer, Bernd Stöhr und Ernst Hausleitner ab; aus Peking berichten Rainer Pariasek, Boris Jirka und Michael Berger. An die 70 Mann sind in Peking im Einsatz.

Laut Huber wurde bei den Kommentatoren auf "verdiente Mitarbeiter" wie Robert Seger zurückgegriffen, da das Personal "mit der EURO und den kurz darauf folgenden 250 Stunden Olympiaberichterstattung" nicht ausreiche.

Nach der 40-minütigen Zusammenfassung der Tagesereignisse um 19.10 Uhr wird der aktuelle Kurzsport ausnahmsweise um 19.53 Uhr in ORF 1 gesendet. Huber ist davon überzeugt, dass der ORF mit der umfangreichen Berichterstattung "gut aussteigen wird". (Barbara Fuchs, Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 6.8.2008)

  • Minderheitenprogramm: Ein 
paar hundert Menschen können über aon.tv ihren Blickwinkel auf die Spiele in 
Peking unter vier Perspektiven wählen. HD-TV gibt's für alle (über Sat und 
Kabel).
    orf

    Minderheitenprogramm: Ein paar hundert Menschen können über aon.tv ihren Blickwinkel auf die Spiele in Peking unter vier Perspektiven wählen. HD-TV gibt's für alle (über Sat und Kabel).

  • Schwimmer Markus Rogan bei den Dreharbeiten zu den Promospots für Olympia.
    orf/schafler

    Schwimmer Markus Rogan bei den Dreharbeiten zu den Promospots für Olympia.

  • ORF-Sportchef Hans Huber.
    orf/badzic

    ORF-Sportchef Hans Huber.

  • Das ORF-Olympiastudio.
    orf/badzic

    Das ORF-Olympiastudio.

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