Sich eine Putzfrau "halten"?

5. August 2008, 17:33
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Das Leben ist viel zu kurz, um es mit Putzen zu vergeuden - Oder: Die eigene Bequemlichkeit darf keine Ausrede für Ausbeutung sein

Pro+++

Das Leben ist kurz. Viel zu kurz, um all das unterzubringen, was Vergnügen bereitet. Freuden, Befriedigung, Glück halt. Das sollte ja kein Luxus sein, so ein Glück. Sondern täglich stattfinden. Aber rein mathematisch, bietet so ein Tag ja nur begrenzte Möglichkeiten. Alleine der nötige Schlaf raubt rund sieben wertvolle Stunden, die Fulltime-Hacke verschlingt an die neun, bleiben zwar noch acht, aber.

Jetzt kommen erst die anderen Basics: den Körper hegen, pflegen, bewegen. Dazu gehört auch Essen. Und das wiederum bedingt - erfolgt es nicht immer in Lokalen - einen langen Schwanz an aufwändigen Tätigkeiten wie einkaufen, kochen, abwaschen. Der Geschirrspüler räumt sich ja genauso wenig von selbst ein und aus wie die Waschmaschine. Ganz zu schweigen von all den anderen tausend kleinen Handgriffen, die in Summe enorm viel Zeit fressen.

Und da ich nur phasenweise autistisch lebe, stehen FreundInnen, Familie, Haustiere und diverse Veranstaltungen auf dem Plan. Zeitnot also, in höchster Form! Da soll ich auch noch selbst putzen? Na, sicher net! (dabu)

---Contra

Erstaunlich, wie das Putzfrau-Phänomen in fast alle Gesellschaftsschichten vorgedrungen ist. Wer 30 Euro auf der hohen Kante hat, leistet sich inzwischen eine Reinigungskraft "fürs Grobe" - staubsaugen, Boden wischen, Fenster putzen.

Der Luxus ist verlockend, vertretbar ist er trotzdem nicht. Zum einen, weil die Arbeitsbedingungen von Hausangestellten schlichtweg ungerecht sind: Sie arbeiten meist auf Stundenbasis und illegal, d.h. aus ihrer Arbeit entsteht kaum der Anspruch auf soziale Absicherung. Der von Arbeitsminister Bartenstein eingeführte "Dienstleistungsscheck" war die falsche Antwort auf das Problem, das zeigen die Anmeldezahlen für diese "flexicurity"-Maßnahme.

Zweitens: Ihren "weiblichen Touch" wird die anstrengende und nervenaufreibende Tätigkeit der Hausarbeit durch das Auslagern auf prekarisierte Arbeitskräfte auch nicht los. Stattdessen erhält sie noch zusätzlich den ethnischen Stempel aufgedrückt - feministische Ökonominnen stellen sich die Zukunft der Hausarbeit anders vor!

Die eigene Bequemlichkeit darf keine Ausrede für das Teilnehmen an struktureller Ausbeutung sein. Nichts führt daran vorbei, dass Männer ihre Begabungen zur Hausarbeit endlich freilegen - mit allen Konsequenzen für altmodische Männliche-Ernährer-Modelle, auf denen unser Sozialsystem aufbaut. "Ich räume meinen Dreck selber weg" lautet die -eigentlich selbstverständliche - Devise. (freu)

 

  • Politisch korrekt wäre, den eigenen Dreck selber wegzuräumen. Doch vielerorts siegt die Bequemlichkeit.
    Der Standard/Urban

    Politisch korrekt wäre, den eigenen Dreck selber wegzuräumen. Doch vielerorts siegt die Bequemlichkeit.

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