Obama will strategische Ölreserven anzapfen

5. August 2008, 12:44
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Wegen des starken Anstiegs des Benzinpreises hat der US-Präsidentschaftskandidat gefordert, die für den Notfall gedachten strategischen Ölreserven anzuzapfen

Lansing/USA - Wegen des starken Anstiegs des Benzinpreises hat der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama gefordert, die für den Notfall gedachten strategischen Ölreserven anzuzapfen. Mit dem Verkauf von 70 Mio. Barrel (je 159 Liter), also etwa zehn Prozent der gesamten Reserven, könne die Regierung kurzfristig eine Senkung des Benzinpreises erwirken, sagte Obama am Montag im Rahmen einer Rede zu seiner Energiepolitik in Lansing im US-Staat Michigan. Bisher hatte sich Obama gegen die Nutzung der Reserven ausgesprochen. Eine Sprecherin seines Wahlkampfteams begründete den Kurswechsel damit, dass so viele Amerikaner unter den hohen Spritpreisen litten.

Obama forderte in seiner Rede eine radikale Abkehr von der bisherigen Energiepolitik. "Unsere Sucht nach Öl zu durchbrechen ist eine der größten Herausforderungen, der unsere Generation je gegenüberstehen wird." Dazu müsse sich das ganze Wirtschaftssystem wandeln, forderte Obama. Die strauchelnde US-Konjunktur und die gestiegenen Benzin- und Energiepreise sind inzwischen die beherrschenden Themen des Wahlkampfs.

Lösung aller Probleme beim Öl

Obama warf seinem republikanischen Rivalen John McCain vor, lediglich die Politik von US-Präsident George W. Bush fortführen zu wollen. McCain sei "Teil des Versagens" der Energiepolitik der vergangenen Jahre. Auch warf er McCain vor, wie Bush immer noch die Lösung aller Probleme beim Öl zu suchen. Er habe allein im letzten Monat eine Million Dollar Spenden von großen Ölkonzernen bekommen. Obama warb gleichzeitig für seinen auf zehn Jahre angelegten und 150 Mrd. Dollar (96,4 Mrd. Euro) schweren Energieplan zur Förderung neuer Techniken und alternativer Energie- und Mobilitätsformen.

Nach harten Angriffen der Republikaner zahlt das Wahlkampfteam Obamas jetzt mit einem neuen Fernseh-Werbespot mit gleicher Münze zurück: In dem am Montag vorgestellten Spot wird McCain als Handlanger der Ölindustrie porträtiert. Die USA könnten sich nicht schon wieder einen von den Ölkonzernen dominierten Präsidenten leisten. Der aus Texas stammende Bush arbeitete früher in der US-Ölindustrie.

Zu Beginn ist in dem Werbespot ein Mann zu sehen, der sein Auto volltankt. "Jedes Mal, wenn Sie Ihren Tank füllen, füllen sich die Kassen der Ölkonzerne", sagt ein Sprecher. Während McCain die Steuern für jene Unternehmen senken wolle, werde Obama sie erhöhen, heißt es weiter. Obama schlägt eine Steuer auf die Gewinne der Ölkonzerne vor und will damit wegen des stark gestiegenen Benzinpreises eine Nothilfe von 1.000 Dollar pro US-Familie finanzieren. (APA)

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