Paszek denkt an Nationenwechsel

  • Eine enttäuschte Tamira Paszek denkt über einen Nationenwechsel und rechtliche Schritte gegen das ÖOC nach.
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    Eine enttäuschte Tamira Paszek denkt über einen Nationenwechsel und rechtliche Schritte gegen das ÖOC nach.

  • Die 17-jährige Vorarlbergerin versteht die Tennis-Welt nicht mehr.
    foto: apa/pfarrhofer

    Die 17-jährige Vorarlbergerin versteht die Tennis-Welt nicht mehr.

Die Österreicherin spielt nach der nicht erfolgten Berück­sichtigung für Olympia mit dem Gedan­ken, künf­tig für anderen Verband zu servieren

Wien - Tennisspielerin Tamira Paszek ist frustriert. Ohne Rücksicht auf sportliche Verluste hat das ÖOC (Österreichische Olympische Komitè) ihr einen Korb für die Spiele in Peking gegeben. "Es war mein Traum bei Olympia 2008 dabei zu sein, darauf habe ich das vergangene Jahr hingearbeitet, die Enttäuschung ist natürlich riesengroß", klärt Paszek am Dienstagvormittag die Presse über ihr Empfinden auf. Die 17-Jährige will der versäumten Chance nicht nur hinterher trauern, sie denkt auch über Konsequenzen nach. „Für welchen Verband ich in Zukunft spielen werde, kann ich heute nicht sagen", schlägt die Vorarlbergerin einen Nationenwechsel nicht aus.

Neuer Verband, neues Glück

„Es ist einfach zu viel passiert", erklärt Paszek, „ich fühle mich zwar als Österreicherin, aber es ist nicht leicht mit so einer Enttäuschung umzugehen." Sie denkt an einen Neuanfang, ohne ÖOC, ÖTV (Österreichischer Tennis Verband) und Österreich. „Ich hatte schon früher die Möglichkeit für ein anderes Land Tennis zu spielen, jetzt denke ich ernsthaft darüber nach", geht die Dornbirnerin in die Offensive. Mit ihrem neuen, alten Trainer Larri Passos ist Paszek wieder in Form gekommen. Der Brasilianer hat die 17-Jährige aus ihrer sportlichen Krise geführt. „Die letzten Wochen in Brasilien haben mir gut getan, das Umfeld dort ist einfach perfekt. Ich fühle mich dort wie im Paradies", so Paszek, die bereits mit dem Präsidenten des Brasilianischen Tennis Verbandes gesprochen hat und dabei ist, Portugiesisch zu lernen. Eine Entscheidung für wen die enttäuschte Tennisspielerin künftig das Racket in die Hand nehmen wird, soll in den nächsten Tagen fallen.

"Es sollte professioneller gearbeitet werden"

Paszek, hat sich zwar laut IOC-Norm für Olympia qualifiziert, ohne aber das strenge ÖOC-Limit (Viertelfinale bei einem Major-Turnier/A-Limit, Achtelfinale/B-Limit) erbracht zu haben. Wie auch Sybille Bammer, Jürgen Melzer und Julian Knowle nicht, die den Trip nach Peking antreten dürfen. Nach ihrem Überraschungssieg über Ana Ivanovic in Montreal schaltete sich selbst der internationale Tennisverband (ITF) ein, um beim ÖOC für Paszek zu intervenieren, alle Versuche blieben aber erfolglos.

Neben ihrer persönlichen Enttäuschung hinterfragt Österreichs Nummer zwei der Tenniswelt auch die Strukturen des Nationalen Olympischen Verbandes. „Bis eine Woche vor den Spielen wusste ich nicht, ob ich nach Peking fliege oder nicht, mit mir hat nie jemand gesprochen. Da sollte professioneller gearbeitet und mehr kommuniziert werden", kritisiert Paszek, die sich auch über rechtliche Schritte gegen den ÖOC informieren will. Sportlich warten mit Cincinnati und Linz bereits die nächsten Hürden auf Paszek, ob sie nach Oberösterreich bereits mit einer neuen Tennisnationalität reist, bleibt abzuwarten.

Jungwirth: Entweder, oder nicht...

Das ÖOC zeigte am Dienstag zwar Verständnis für die Enttäuschung Paszeks, den angedachten Nationenwechsel kann Generalsekretär Heinz Jungwirth aber nicht nachvollziehen. "Das war vielleicht ein jugendlicher Schnellschuss. Wegen so etwas hängt man doch nicht die Welt an den Nagel und wechselt die Staatsbürgerschaft", erklärte er. "Entweder ich bin Österreicher oder nicht." (red)

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