Greenspan warnt vor weiteren Bankenpleiten

5. August 2008, 12:26
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Die Krise wurde nach Ansicht Greenspans "nicht dadurch beendet, dass die Zentralbanken riesige Dosen kurz­fristiger Liquidität injizierten"

London - Der ehemalige Chef der US-Zentralbank, Alan Greenspan, hat vor weiteren Bankenpleiten im Zuge der Finanzkrise gewarnt. "Es kann sein, dass eine Reihe von Banken und Finanzinstitutionen am Rande der Zahlungsunfähigkeit von den Regierungen gerettet werden", schrieb Greenspan in einem Beitrag für die "Financial Times" (FT) vom Dienstag. Der ehemalige Notenbankchef bezeichnete die Kreditkrise als "ein Ereignis, wie es ein- oder zweimal pro Jahrhundert vorkommt".

Die Krise wurde nach Ansicht Greenspans "nicht dadurch beendet, dass die Zentralbanken riesige Dosen kurzfristiger Liquidität injizierten". Erst als staatliche Kredite an die Stelle von Krediten privater Banken getreten seien - wie im Fall der US-Bank Bear Stearns oder der britischen Bank Northern Rock -, sei ein Anschein von Stabilität an den Märkten wiederhergestellt worden.

In einer stärkeren Regulierung sieht Greenspan keinen Ausweg aus der Finanzkrise. "Regulierung, die angeblich effektive Lösung für die heutige Krise, war nie in der Geschichte fähig, Finanzkrisen zu eliminieren", schrieb der ehemalige Notenbankchef weiter. Es bestehe die Gefahr, dass einige Regierungen versuchten, ihren Zugriff auf die Wirtschaft zurück zu erlangen. "Breitet sich das aus, könnte die Globalisierung zurückgedrängt werden - mit einem horrenden Preis."

Unter der Leitung von Greenspan hatte die US-Zentralbank Fed nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 eine Politik des billigen Gelds betrieben. Im Juni 2003 erreicht der Leitzinssatz das Rekordtief von 1,0 Prozent. Schuldenmachen, wie etwa die Aufnahme von Krediten auch von Hauskäufern mit nur geringem Einkommen, wurde damit immer billiger. Kritikern Greenspans zufolge war dies ein Auslöser für die aktuelle Finanzkrise. (APA/AFP)

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